230 Millionen Frauen leiden unter den Folgen von Genitalverstümmelung – doch die Praxis bleibt ungebrochen
Leila Bloch230 Millionen Frauen leiden unter den Folgen von Genitalverstümmelung – doch die Praxis bleibt ungebrochen
Frauengentialverstümmelung (FGM) betrifft weiterhin Millionen Mädchen und Frauen weltweit. Ein neuer Bericht zeigt, dass etwa 230 Millionen Frauen und Mädchen von dem Eingriff betroffen sind – allein im letzten Jahrzehnt kamen 30 Millionen Fälle hinzu. Trotz globaler Bemühungen bleibt die Praxis weit verbreitet und tiefgreifend schädlich.
Bei FGM handelt es sich um nicht-medizinisch begründete Veränderungen der äußeren weiblichen Genitalien, die oft vor der Pubertät an Mädchen durchgeführt werden. Die Folgen reichen von chronischen Schmerzen und wiederkehrenden Infektionen über Komplikationen bei Geburten bis hin zu langfristigen psychischen Traumata. In Europa leben schätzungsweise 600.000 Frauen und Mädchen mit diesen Spätfolgen.
Die Praxis wurde in mindestens 94 Ländern dokumentiert, doch nur 58 haben explizite gesetzliche Verbote erlassen. Seit der letzten globalen Bestandsaufnahme sind keine neuen rechtlichen Beschränkungen hinzugekommen. Gleichzeitig nimmt die Medikalisierung von FGM zu – also die Durchführung der Eingriffe durch ausgebildetes Personal. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass mittlerweile jeder vierte Fall in klinischen Einrichtungen stattfindet. Dies wirft die Sorge auf, dass die Praxis dadurch gesellschaftlich akzeptabler erscheinen könnte.
Jährlich droht 4,4 Millionen Mädchen die Gefahr, genital verstümmelt zu werden. Präventionsprogramme leiden unter massiver Unterfinanzierung, was das Ziel der Vereinten Nationen, die Praxis bis 2030 abzuschaffen, in weite Ferne rücken lässt.
Die Zahl der Überlebenden von FGM ist im letzten Jahrzehnt stark angestiegen. Ohne strengere Gesetze, bessere Finanzierung und mehr Aufklärung werden Millionen weitere Mädchen schutzlos bleiben. Die aktuellen Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um die dringend notwendigen Fortschritte zur globalen Abschaffung zu erreichen.
