09 May 2026, 12:18

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Geschichtsrevisionismus zum 81. Befreiungstag

Offenes Buch mit handgeschriebenen Tagebucheinträgen eines deutschen Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg getötet wurde, gefüllt mit detailliertem Text.

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Geschichtsrevisionismus zum 81. Befreiungstag

Im Mai 2026 hielt Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, eine Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen stellten die seit langem etablierte Auseinandersetzung des Landes mit seiner Kriegsvergangenheit infrage und bedienten sich dabei einer Sprache, die Kritiker als Teil des politischen Vokabulars der Neuen Rechten einordnen.

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Tillschneider begann zwar mit einer Anerkennung der Befreiung selbst, lenkte jedoch schnell den Fokus auf die militärische Niederlage Deutschlands. Er beschrieb diese als eine „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“ und deutete die Folgen des Krieges damit als einen Verlust, der über politische Grenzen hinausgehe. Anschließend wandte er sich der historischen Erinnerung der Nation zu und diskreditierte die weithin geachtete Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 als eine „geistige Kapitulation“.

Er ging noch weiter und warf den Deutschen vor, sich im Nachhinein auf die Seite der Sieger gestellt zu haben, um Schuldgefühle zu vermeiden. Mit Formulierungen wie „absurde Schuldkultur“ und „imaginäre Kollektivschuld“ kritisierte er die Nachkriegsaufarbeitung der NS-Vergangenheit. Unter Rückgriff auf ein Zitat von Franz Josef Strauß forderte Tillschneider eine Rückkehr zu einer „normalen deutschen Identität“ und lehnte ab, was er als „ewige Buße“ im Zusammenhang mit der Vergangenheit bezeichnete.

Seine Aussagen passen in die breiteren Bestrebungen der AfD in Sachsen-Anhalt, historische Narrative umzudeuten. Beobachter weisen darauf hin, dass eine solche Rhetorik die Partei intellektuell isolieren könnte – weg vom gesellschaftlichen Mainstream und hin zu einer Abkehr von dem, was als „stolze Zukunft“ propagiert wird.

Tillschneiders Rede spiegelt einen gezielten Versuch wider, das Verhältnis Deutschlands zu seiner Geschichte neu zu definieren. Indem der Nachkriegskonsens als fehlerhaft dargestellt wird, steht die Haltung der AfD im scharfen Kontrast zu Jahrzehnten etablierter Erinnerungskultur. Die von der Partei eingeschlagene Richtung, wie sie in diesen Äußerungen skizziert wird, deutet auf eine fortgesetzte Abkehr von dem Geschichtsverständnis hin, das das moderne Deutschland geprägt hat.

Quelle