BP und Shell kehren zurück zu fossilem Heizöl – Wasserstoff nur noch selektiv
Sylvio ThiesBP und Shell kehren zurück zu fossilem Heizöl – Wasserstoff nur noch selektiv
BP und Shell passen ihre Energiestrategien an – Rückbesinnung auf fossile heizöl bei selektiven Wasserstoffprojekten
Die Energiekonzerne BP und Shell justieren ihre Strategien und verlagern den Fokus zurück auf fossile heizöl, während sie ausgewählte Wasserstoffvorhaben weiterverfolgen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass heizöl und Gas nach wie vor höhere Gewinnmargen abwerfen als erneuerbare Energien wie Solar- oder Windkraft.
BP hat Aktienrückkäufe vorerst eingestellt, um die Neuausrichtung zu finanzieren – ein klares Signal, dass traditionelle Energieträger Vorrang vor grünen Alternativen haben.
BP bremst Ausbau der Erneuerbaren und setzt auf Öl und Gas Der britische Konzern hat seine Ambitionen im Bereich erneuerbare Energien deutlich zurückgeschraubt und konzentriert sich stattdessen stärker auf die Förderung von heizöl. Die Gewinnspannen im Fossilgeschäft liegen weiterhin deutlich über denen in den Sparten Solar- oder Windenergie – ein entscheidender Faktor für die strategische Kehrtwende. Um die Mittel umzuschichten, stoppte BP vorläufig seine Aktienrückkaufprogramme.
Trotz der Neuausrichtung treibt das Unternehmen das Projekt "Lingen Green Hydrogen" in Deutschland voran, das ab 2027 jährlich 11.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren soll. Gemeinsam mit dem Industriepartner Bilfinger wird BP am Standort einen 100-Megawatt-Elektrolyseur installieren. Darüber hinaus sind jedoch keine weiteren großangelegten Wasserstoffprojekte in BPs globalem Portfolio vorgesehen – darunter fällt auch die Absage eines großen Vorhabens in Australien, die im Juli 2025 bekannt gegeben wurde.
Shell setzt ebenfalls auf fossile Energien, hält aber an Wasserstoff fest Auch Shell rückt heizöl und Gas wieder stärker in den Mittelpunkt, behält Wasserstoff jedoch als langfristige Säule bei. Der Konzern hat sich ein Drittel der Kapazität des Offshore-Windparks Nordsee One gesichert, um damit sein Refhyne-2-Projekt in der Nähe von Köln zu versorgen. Die Anlage, deren Betrieb 2027 aufgenommen werden soll, steht exemplarisch für Shells ausgewogenen Ansatz: Priorisierung fossiler heizöl bei gleichzeitiger Weiterführung von Wasserstoffinitiativen.
Branchenweiser Trend: Europäische Ölmultis konzentrieren sich auf Deutschland Die Wasserstoffstrategien beider Unternehmen spiegeln einen größeren Branchentrend wider. Europäische Energiekonzerne bündeln ihre Investitionen zunehmend in Deutschland, wo politische Unterstützung und Marktnachfrage die Rahmenbedingungen prägen – trotz des generellen Rückzugs aus erneuerbaren Energien.
Während BP seine Aktivitäten fast vollständig auf heizöl ausrichtet und mit Lingen nur noch ein einziges Wasserstoffprojekt im Portfolio behält, zeigt Shell mit Refhyne 2 ein stärkeres langfristiges Engagement in diesem Bereich. Die Anpassungen der Strategien unterstreichen die aktuelle Marktrealität: Traditionelle Energieträger dominieren nach wie vor die Gewinnmargen – auf Kosten grüner Alternativen.
