28 March 2026, 10:24

Dänemarks Apothekenreform: Vorbild für Deutschland oder Warnsignal?

Schwarzes und weißes Foto eines alten Apothekeninneren in New Orleans, Louisiana, mit Hockern, Tischen mit Flaschen und Gegenständen, Glasfenstern auf der rechten Seite und Text oben.

Dänemarks Apothekenreform: Vorbild für Deutschland oder Warnsignal?

Dänemarks Apothekenwesen hat seit 2001 tiefgreifende Veränderungen durchlaufen, geprägt von Markliberalisierung und strengeren finanziellen Kontrollen. Diese Reformen haben die Arbeitsweise der Apotheken grundlegend verändert: Die Zahl der Eigentümer ging zurück, während die Filialdichte zunahm. Nun untersucht ein deutscher Forscher, ob das dänische Modell als Vorbild für das deutsche Gesundheitssystem dienen könnte.

Die Reformen begannen im Jahr 2001 mit mehr Wettbewerb und verschärften wirtschaftlichen Regelungen. Ab 2004 durften Handelsketten rezeptfreie Medikamente verkaufen – eine neue Konkurrenz für traditionelle Apotheken. Im Laufe der Zeit sank die Zahl der Apothekenbesitzer um 20 %, doch die Gesamtzahl der Filialen stieg deutlich an.

2015 leitete eine Apothekenleitung durchschnittlich 1,95 Standorte, bis 2024 waren es bereits 3,10. Viele dieser Filialen werden mittlerweile von Farmakonomer geführt – Fachkräften, die in etwa den deutschen Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) entsprechen – und nicht von voll ausgebildeten Apothekern. Zudem hat Dänemark den Zugang zu Medikamenten durch Abholstellen und Verkaufsstellen mit eingeschränktem Service erweitert, die jedoch weniger Leistungen als Vollapotheken bieten.

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Auch der finanzielle Druck hat zugenommen: Seit 2014 mussten Apotheken aufgrund übermäßiger Einnahmen 490 Millionen dänische Kronen (rund 66 Millionen Euro) zurückzahlen. Gleichzeitig sinkt das Interesse an einer Tätigkeit in öffentlichen Apotheken – nur 15 % der in den letzten zehn Jahren approbierten Pharmazeuten entschieden sich für diesen Berufsweg.

Dr. Claus Pöhlmann, ein deutscher Wissenschaftler, hat diese Entwicklungen in seiner bevorstehenden Doktorarbeit analysiert. Unter dem Titel "Können Dänemarks gesundheitsökonomische und -politische Entscheidungen auf das deutsche Gesundheitssystem übertragen werden?", die im Januar 2025 eingereicht wird, untersucht er, ob das dänische Modell auch in Deutschland funktionieren könnte.

Die Reformen führten zu weniger Apothekenbesitzern, aber mehr Filialen, die oft von Fachkräften statt von Apothekern betrieben werden. Angesichts finanzieller Rückforderungen und veränderter Berufstrends birgt das dänische System sowohl Herausforderungen als auch potenzielle Lehren. Pöhlmanns Forschung wird zeigen, ob ähnliche Ansätze auch in Deutschland umsetzbar wären.

Quelle