17 June 2026, 16:35

"Das Gleichnis vom Säure": Eine radikale Hommage an fetten Körperwiderstand bei den Wiener Festwochen

Wiener Festwochen: Überleben unter den Fettklumpen

"Das Gleichnis vom Säure": Eine radikale Hommage an fetten Körperwiderstand bei den Wiener Festwochen

Eine mutige Neuinszenierung: Das Gleichnis vom Säure feiert Premiere bei den Wiener Festwochen im Odeon

Unter der Regie von Rébecca Chaillon hatte Das Gleichnis vom Säure im Odeon seine Uraufführung – ein Stück, das sieben Performende zusammenbrachte, die konventionelle Körpernormen herausfordern. Die Produktion lotete die Themen Fettsein, Identität und das Absurde aus, wobei Butter als zentrales Symbol in eindrucksvoller Weise eingesetzt wurde.

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Die Vorstellung begann damit, dass das Ensemble sich für ihre Körper entschuldigte, die sie als aufrührerisch beschrieben. Im weiteren Verlauf gestanden sie ungewöhnliche Essgewohnheiten und teilten persönliche Geschichten von körperlicher Gewalt, Essanfällen und zwanghaftem Konsumverhalten. Ihre Wurzeln in den Pariser Banlieues und die Erfahrungen mit körperlichem Leid bildeten einen rohen, ehrlichen Hintergrund für das Stück.

Inspiriert von Octavia Butlers Roman Parable of the Sower (Die Parabel von der Säerin) tauchte die Inszenierung in die „Magie des Glaubens“ ein. Sie rekonstruierte Szenen aus der Abnehm-Show The Biggest Loser und trieb sie ins grotesk Absurde. Die Performenden, in buttergelbe Roben gekleidet, kletterten über Butterberge und stellten sogar selbst Butter auf der Bühne her.

Julie Teuf, eine der Darstellerinnen, verteilte Butter an das Publikum, lud die Zuschauer ein, sie zu kosten, und verloste Preise – die Grenze zwischen Betrachtern und Teilnehmenden verschwamm. Die Botschaft war unmissverständlich: Eine Gemeinschaft von fetten Menschen stellt sich mit Trotzigkeit und Kreativität der Realität ihrer Körper.

Die fast drei Stunden dauernde Aufführung bot eine provokante Auseinandersetzung mit Fettsein und gesellschaftlichen Normen. Der Einsatz von Butter als Metapher und die schonungslose Ehrlichkeit hinterließen einen bleibenden Eindruck. Die Inszenierung festigte Rébecca Chaillons Ruf als Regisseurin, die sich mit Diskriminierung und Identität auf mutige, bildgewaltige Weise auseinandersetzt.

Quelle