Digitaler Abschied: Warum Millionen Senioren in Niedersachsen offline bleiben
Dora CichoriusDigitaler Abschied: Warum Millionen Senioren in Niedersachsen offline bleiben
Deutschlands Digitalisierungsschub lässt viele ältere Bürger zurück
Rund 2,8 Millionen Menschen bundesweit leben komplett offline – allein in Niedersachsen sind es Zehntausende. Bei den über 65-Jährigen nutzt fast jeder Dritte das Internet selten oder nie, was die Kluft im Alltag immer größer werden lässt.
Einfache Aufgaben wie Arzttermine buchen, Bankgeschäfte erledigen oder Zugtickets kaufen erfordern heute oft einen Internetzugang. Dieser Wandel hinterlässt bei manchen Senioren ein Gefühl der Unsicherheit und Ausgrenzung, da sie ohne klare Anleitung kaum mithalten können. Viele berichten von Frustration über fehlende einfache Erklärungen oder Unterstützung.
Das Problem betrifft nicht nur die Fähigkeiten, sondern auch den Zugang. Während Städte ihre Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetze ausbauen, kämpfen ländliche Regionen weiterhin mit lückenhafter Abdeckung und Funklöchern. Friedrich Stubbe, Landesvorsitzender des Sozialverbands VdK Niedersachsen-Bremen, warnt vor einer wachsenden "digitalen Mauer", die diejenigen isoliert, die sich nicht oder nicht mehr mit Technik beschäftigen können oder wollen.
Einige Organisationen versuchen, die Lücke zu schließen. Die Braunschweiger Landessparkasse (BLSK) bietet sowohl Online- als auch Präsenzbanking an, um älteren Kunden entgegenzukommen. Die Bank fördert zudem generationenübergreifende Projekte und plant einen mobilen Bankbus, um ländliche Gemeinden zu erreichen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen beobachtet derweil gemischte Reaktionen: Manche ältere Besucher zeigen Interesse, andere bleiben skeptisch gegenüber digitalen Hilfsmitteln.
Digitale Kompetenz ist inzwischen entscheidend, um selbstständig zu bleiben. Ohne sie können selbst alltägliche Aufgaben zur Herausforderung werden – und treiben ältere Menschen weiter in die Isolation.
Die Kluft zwischen digitalem und analogem Leben wächst, besonders für ältere Menschen in Deutschland. Banken, Verbraucherschützer und lokale Initiativen bemühen sich um Unterstützung, doch ungleiche Infrastruktur und anhaltende Hürden bleiben bestehen. Noch immer bewältigen Millionen ihren Alltag, ohne sich jemals einzuloggen.
