DLG-Präsident erklärt europäischen Green Deal für gescheitert – und fordert radikale Wende
Dora CichoriusDLG-Präsident erklärt europäischen Green Deal für gescheitert – und fordert radikale Wende
Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), hat den europäischen Green Deal als gescheitert kritisiert. In einer jüngsten Stellungnahme forderte er, dass Europa den Fokus von Nachhaltigkeitszielen hin zu einer Steigerung der Produktivität in Landwirtschaft und Industrie verlagern müsse. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen den Green Deal trotz wachsender Kritik weiterhin verteidigt.
Paetow begründete das Scheitern des Green Deals mit mangelnder Kommunikation, unrealistischen Annahmen sowie einer Überbetonung von Vorschriften und der Erwartung, das Verhalten der Bevölkerung ändern zu können. Statt weiterer Regulierung plädierte er für einen neuen Ansatz: "nachhaltiges Produktivitätswachstum". Dabei solle der Erfolg daran gemessen werden, landwirtschaftliche Erträge mit Klimaschutz und Artenvielfalt in Einklang zu bringen.
Zudem warnte er, dass Europa in der globalen Politik, Wirtschaft und Verteidigung an Einfluss verliere. Obwohl Herausforderungen wie Ernährungssicherheit und Klimawandel weiterhin bestünden, betonte er, dass nun wirtschaftliche und militärische Widerstandsfähigkeit Vorrang hätten. Nach Paetows Einschätzung stecken Deutschland und Europa in einer Produktivitätskrise – und nicht in einer Nachhaltigkeitskrise.
Der DLG-Präsident schlug vor, dass Landwirte und Unternehmen – und nicht Politiker – die notwendigen Innovationen vorantreiben sollten. Die Landwirtschaft solle künftig mit weniger politischer Einmischung agieren, um die Zukunft des Sektors eigenständiger gestalten zu können.
Paetows Aussagen unterstreichen die wachsende Kluft zwischen EU-Politikern und Wirtschaftsvertretern über die Ausrichtung des Green Deals. Sein Appell für produktivitätsorientierte Reformen steht im Kontrast zu von der Leyens anhaltender Verteidigung der Initiative. Die Debatte spiegelt die grundsätzlichen Spannungen wider, wie Europa wirtschaftliches Wachstum mit ökologischen und sicherheitspolitischen Erfordernissen in Einklang bringen soll.
