Erbbaurechts-Streit in Niedersachsen: Mieten explodieren um bis zu 5.000 Prozent
Leila BlochErbbaurechts-Streit in Niedersachsen: Mieten explodieren um bis zu 5.000 Prozent
Ein wachsender Streit um Erbbaurechte in Niedersachsen setzt viele Mieter extremen Mietsteigerungen aus. Bei manchen sind die monatlichen Zahlungen um bis zu 5.000 Prozent explodiert, im Schnitt liegen sie nun bei 1.400 bis 1.600 Euro. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Verträge, die von der Klosterkammer Hannover verwaltet werden – dem größten Anbieter solcher Pachtverträge in der Region.
Ursprünglich sollten Erbbaurechte einkommensschwachen Familien den Weg ins Wohneigentum ebnen. Doch durch steigende Bodenpreise hat sich der Fokus hin zur Profitmaximierung verschoben – mit der Folge, dass die Erbbauzinsen auf Rekordniveau klettern. In Hannover stieg etwa bei einem Rentnerpaar die monatliche Pacht von 28 auf 1.600 Euro. Ein anderer Senior muss mit einer jährlichen Erhöhung von 980 auf 15.600 Euro rechnen.
Rechtsexperte Werner Lichtenberg argumentiert, dass Pachtgebühren in Höhe von Hypothekenkosten dem eigentlichen Sinn des Gesetzes widersprechen. Da viele Verträge in den nächsten 20 Jahren auslaufen, sind die Verhandlungen zwischen Bürgerinitiativen und der Klosterkammer ins Stocken geraten. Kommt es zu keiner Einigung, könnten einige Erbbauberechtigte ab 2028 oder 2029 ihr Nutzungsrecht verlieren – und stattdessen nur eine Abfindung erhalten.
Der Streit bahnt sich nun seinen Weg vor Gericht. In Niedersachsen müssen etwa die Hälfte aller Erbbaurechtsverträge bald neu verhandelt werden, wobei die Pachten um das 20- bis 80-Fache steigen könnten. In Regionen wie Lüneburg sind die Bodenwerte bereits hoch: Hier haben sich die Preise bei 242 Euro pro Quadratmeter eingependelt.
Die eskalierende Auseinandersetzung zeigt die finanzielle Belastung für langjährige Pächter – besonders Rentner. Ohne Lösung drohen vielen Räumungsklagen oder unbezahlbare Forderungen. Das Urteil könnte entscheiden, ob der ursprüngliche soziale Zweck des Erbbaurechts noch zu retten ist.
