05 February 2026, 22:46

EU-Mercosur-Abkommen blockiert: Niedersachsens Wirtschaft in der Zwickmühle

Ein Diagramm auf einem weißen Hintergrund mit dem Titel "EU-Importe und Nicht-EU-Handel" mit zwei Linien, blau für Importe und rot für Exporte, die beide über die Zeit hinweg ansteigen.

EU-Mercosur-Abkommen blockiert: Niedersachsens Wirtschaft in der Zwickmühle

EU-Mercosur-Freihandelsabkommen bleibt in der Schwebe

Das im Januar 2023 unterzeichnete EU-Mercosur-Freihandelsabkommen steckt weiterhin in einer rechtlichen Prüfphase fest. Die Vereinbarung, die die größte Freihandelszone der Welt nach Einwohnerzahl schaffen würde, verzögert sich, da der Europäische Gerichtshof ihre Bestimmungen prüft. Unterdessen äußern lokale Unternehmen und Landwirte in Niedersachsen Bedenken wegen möglicher wirtschaftlicher Folgen und sich verändernder globaler Handelsdynamiken.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Am 17. Januar 2023 unterzeichnete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen offiziell das EU-Mercosur-Abkommen. Das Vorhaben zielt darauf ab, über 700 Millionen Menschen in Europa und Südamerika in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum zu vereinen. Doch seine Umsetzung hängt nun von einer Bewertung durch den Europäischen Gerichtshof ab – ein Prozess, der sich über zwei Jahre hinziehen könnte.

In Niedersachsen hat die Unsicherheit um das Abkommen Kritik ausgelöst. Hendrik Rump, Vorsitzender des hiesigen Landvolk-Landesverbandes, warf regionalen Führungskräften vor, die Automobilindustrie auf Kosten der Landwirtschaft zu bevorzugen. Seine Äußerungen fielen mit dem Tag zusammen, an dem der damalige US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf deutsche Waren verhängte – ein zusätzlicher Druckfaktor in den Handelsdebatten.

Die Verbindungen zur Region sind besonders eng im Landkreis Lüneburg-Wolfsburg, wo mehr als 80 kleine und mittlere Unternehmen mit Mercosur-Staaten handeln. Diese Beziehungen sichern Arbeitsplätze und regionale Stabilität. Dennoch warnt der Deutsche Bauernverband, dass das Abkommen den EU-Markt mit günstigerem Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol überfluten könnte – zum Nachteil heimischer Erzeuger.

Professor Heralt Schöne von der Hochschule Neubrandenburg betonte, dass anhaltende parlamentarische Verzögerungen das Vertrauen in den internationalen Handel untergraben. Er warnte, dass Europa bei einer Blockade solcher Abkommen Gefahr laufe, wirtschaftlichen Einfluss an Konkurrenten wie China zu verlieren.

Das EU-Mercosur-Abkommen bleibt vorerst in der Warteschleife, während die rechtliche Prüfung andauert. Unternehmen in Niedersachsen sehen sich mit Unsicherheit konfrontiert, Landwirte bereiten sich auf mögliche Marktverwerfungen vor. Ohne eine Lösung steht nicht nur die Zukunft des Abkommens auf dem Spiel – sondern auch Europas Rolle im globalen Handel.