EU-Mercosur-Abkommen: Politische Zweifel dämpfen die Hoffnung der Hannover Messe
Sylvio ThiesOnay: Mercosur-Streit trifft Hannover hart - EU-Mercosur-Abkommen: Politische Zweifel dämpfen die Hoffnung der Hannover Messe
EU-Mercosur-Handelsabkommen sollte im Mittelpunkt der Hannover Messe stehen – doch politische Turbulenzen trüben die Stimmung
Die Hannover Messe wollte in diesem Jahr das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen in den Fokus rücken, mit Brasilien als Partnerland der Veranstaltung. Die Messeveranstalter hatten die Plattform als zentrale Drehscheibe für europäische und brasilianische Unternehmen konzipiert, um neue Geschäfte anzubahnen und Kooperationen zu knüpfen. Doch aktuelle politische Entwicklungen haben diese Pläne überschattet.
Das nach jahrelangen Verhandlungen in Paraguay unterzeichnete Abkommen zielt darauf ab, eine der größten Freihandelszonen der Welt zu schaffen. Es verspricht Zollsenkungen und den Abbau von Handelshemmnissen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten, darunter Brasilien. Wirtschaftsführer in Hannover und Niedersachsen sahen darin eine Chance zur Expansion – besonders für Automobilhersteller und Zulieferer, die neue Märkte erschließen wollen.
Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay hatte das Abkommen unterstützt und betont, es werde der Region konkrete wirtschaftliche Vorteile bringen. Er kritisierte den Beschluss des Europäischen Parlaments, den Vertrag dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Prüfung vorzulegen, als kurzsichtig. Seine Äußerungen folgten auf eine Initiative mehrerer grüner Europaabgeordneter aus Deutschland, die eine rechtliche Überprüfung vorantrieben – und damit Zweifel an der Zukunft des Deals schürten.
Die Unsicherheit hat der Hannover Messe einen Teil ihrer Dynamik genommen. Ursprünglich als Brückenbauer zwischen brasilianischen und europäischen Unternehmen gedacht, herrscht nun eine gedämpftere Stimmung. Zwar waren die Verhandlungen Anfang 2020 bereits weit vorangeschritten, die finale Unterzeichnung erfolgte aber später – aktuelle Daten dazu, wie sich Handel und Investitionen zwischen Deutschland und Brasilien seitdem entwickelt haben, liegen kaum vor.
Das Abkommen bleibt vorerst in der Schwebe, während der EuGH die Vertragsbedingungen prüft. Unternehmen in Hannover und darüber hinaus müssen abwarten, ob das Vorhaben doch noch Realität wird. Die Entscheidung wird zeigen, ob die versprochenen wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Europa und Brasilien endlich Gestalt annehmen können.
