Forderung nach politischer Bildung schon in der Grundschule gegen Radikalisierung
Francesco HeinrichProfessor: Politische Bildung sollte bereits in der Grundschule beginnen - Forderung nach politischer Bildung schon in der Grundschule gegen Radikalisierung
Kinder kommen auf sozialen Medien immer früher mit radikalen Ideen in Kontakt. Eine Bildungsexpertin aus Oldenburg plädiert nun dafür, die politische Bildung bereits in der Grundschule zu verankern – und nicht erst in der weiterführenden Schule. Ziel ist es, grundlegende Fragen wie Gerechtigkeit, Krieg oder den Zugang zu Bildung zu thematisieren, bevor extremistische Ansichten Wurzeln schlagen können.
Viele Kinder entwickeln bereits lange vor dem ersten Unterricht eigene Vorstellungen von Macht, Gerechtigkeit und Konflikten. Doch in Deutschland beginnt die systematische politische Bildung nach wie vor meist erst mit 10 bis 12 Jahren – ohne nennenswerte Reformen in den letzten zehn Jahren. Aktuelle Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) konzentrierten sich vor allem auf Leseförderung und Schulstrukturen, während die politische Bildung weitgehend unverändert blieb.
In Niedersachsen nimmt das Fach derzeit nur zwei bis drei Prozent der Unterrichtszeit ein, je nach Schule. Die Professorin schlägt vor, Themen wie Mitbestimmung, Kinderrechte und vielfältige Lebensentwürfe altersgerecht aufzubereiten. Gleichzeitig zeigt sie sich offen für strengere Maßnahmen – etwa ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige.
Der Appell erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über rechtsextreme Tendenzen bei jungen Wählerinnen und Wählern. Expertinnen und Experten warnen: Demokratie sei kein Selbstläufer – sie müsse von klein auf aktiv gelehrt und gelebt werden.
Auf die Grundschulen könnte bald Druck zukommen, politische Grundlagendiskussionen einzuführen. Statt Parteiprogramme stünden dann zunächst Themen wie Fairness und Konfliktlösung im Mittelpunkt. Ohne frühere Gegenwehr droht die Gefahr, dass sich Kinder durch ungefilterte Online-Inhalte weiter radikalisieren.
