Fünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Anette W. kämpft um Gerechtigkeit und ihre Tochter
Francesco HeinrichFünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Anette W. kämpft um Gerechtigkeit und ihre Tochter
Anette W. nach fünfmonatiger Zwangshaft aus Haft entlassen
Am Freitag verließ Anette W. die Frauenhaftanstalt Hildesheim nach fünf Monaten in Zwangshaft – ohne jemals wegen einer Straftat verurteilt worden zu sein. Sie war inhaftiert worden, weil sie angeblich ihre Tochter dem Kindesvater nicht übergeben hatte. Nach ihrer Freilassung erhielt sie umgehend das Sorgerecht für ihre Tochter zurück, nachdem das Jugendamt eine Überprüfung vorgenommen hatte.
Der Fall begann im November 2025, als Anette W. in Frankfurt festgenommen und zunächst in einer Polizeizelle festgehalten wurde, bevor sie in die Haftanstalt Hildesheim verlegt wurde. Die Inhaftierung erfolgte aufgrund des Vorwurfs, sie habe den Vater von der Tochter ferngehalten – obwohl sie betonte, ihm die Abholung des Kindes angeboten zu haben. Vor ihrer Inhaftierung erhielt sie keine persönliche Anhörung, und es gab keine Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen.
In der Hildesheimer Haftanstalt herrschten harte Bedingungen: chronischer Personalmangel, schimmelverseuchte Wände und ein vollständiges Fehlen von Arbeit oder strukturierten Beschäftigungsmöglichkeiten. Die 150-tägige Haftstrafe kostete Anette W. zudem ihre Wohnung, die sie während der Inhaftierung verlor.
Ihre rechtlichen Probleme begannen mit einem Umzug von Hannover nach Frankfurt im Jahr 2023, wo sie gehofft hatte, langjährige Sorgerechtsstreitigkeiten gerichtlich beizulegen. Nach ihrer Entlassung entschied das Jugendamt, dass ihre Tochter bei ihr leben solle – und kehrte damit die Trennung rückgängig, die zu ihrer Inhaftierung geführt hatte.
Mittlerweile spricht sich Anette W. öffentlich gegen Zwangshaft in Familienstreitigkeiten aus und fordert deren Abschaffung.
Nach Monaten der Haft ohne Verurteilung versucht Anette W. nun, ihr Leben mit ihrer Tochter wieder aufzubauen. Der Verlust ihrer Wohnung und die desolaten Haftbedingungen erschweren den Neuanfang. Ihr Fall hat die Debatte über den Einsatz von Zwangshaft in Sorgerechtskonflikten neu entfacht.






