Gericht erlaubt veganes Leder: Nuuwai gewinnt gegen Lederindustrie-Verband
Dora CichoriusGericht erlaubt veganes Leder: Nuuwai gewinnt gegen Lederindustrie-Verband
Ein deutsches Gericht hat eine Klage des Verbandes der Deutschen Lederindustrie gegen den veganen Taschenhersteller Nuuwai abgewiesen. Der Verband hatte argumentiert, dass Begriffe wie veganes Leder oder Apfelleder irreführend seien. Das Urteil bestätigt nun, dass diese Bezeichnungen weder täuschend noch wettbewerbswidrig sind.
Die Entscheidung fällt in eine Zeit stark steigender Nachfrage nach grausamkeitsfreien und nachhaltigen Alternativen zu herkömmlichem Leder. Immer mehr Marken und Verbraucher setzen auf pflanzliche Materialien, da ethische und ökologische Bedenken wachsen.
Der Streit begann, als der Verband der Deutschen Lederindustrie geltend machte, dass Formulierungen wie veganes Leder Käufer dazu verleiten könnten, anzunehmen, die Produkte enthielten echtes Tierleder. Das Gericht urteilte jedoch, dass der Begriff vegan mittlerweile allgemein als "frei von tierischen Bestandteilen" verstanden wird. Selbst der Duden, das maßgebliche Nachschlagewerk der deutschen Sprache, hat seine Definition von Leder erweitert und schließt nun auch pflanzliche und synthetische Materialien ein.
Der Trend zu veganem Leder hat in den letzten Jahren stark an Fahrt aufgenommen. Seit 2020 ist die Verwendung von veganem Leder in der europäischen Mode- und Designbranche um über 300 Prozent gestiegen. Große Marken wie Stella McCartney, H&M, Hugo Boss und Gucci haben sich verpflichtet, bis 2026 Alternativen wie Ananasfasern, Kaktusleder oder Materialien aus Apfelresten in ihren Kollektionen einzusetzen. Diese Stoffe umgehen die Umwelt- und Ethikprobleme herkömmlichen Leders, etwa den Einsatz giftiger Chemikalien in Gerbereien oder schmerzhafte Praktiken wie Brandzeichen oder Kastration ohne Betäubung.
Auch der globale Markt für veganes Leder wächst rasant. Prognosen zufolge wird er bis 2025 ein Volumen von über 85 Milliarden US-Dollar erreichen. Tierschutzorganisationen wie PETA setzen sich seit Langem gegen die Verwendung tierischer Materialien ein und argumentieren, dass Tiere nicht für Mode ausgebeutet werden dürfen. Mit strengeren EU-Vorgaben zu ökologischen Werbeaussagen und einem wachsenden Bewusstsein der Verbraucher steigt die Nachfrage nach nachhaltigen, grausamkeitsfreien Alternativen weiter an.
Das Gerichtsurteil ebnet den Weg für Marken, Begriffe wie veganes Leder ohne rechtliche Bedenken weiterzuverwenden. Die Entscheidung stärkt den expandierenden Markt für pflanzliche Materialien, die eine ethisch und ökologisch verantwortungsvollere Wahl bieten. Da immer mehr große Modemarken auf diese Alternativen umsteigen, dürfte sich der Abschied der Branche vom traditionellen Leder weiter beschleunigen.