Giffey besucht Rudower Apotheke und diskutiert drängende Branchenprobleme vor Reform
Dora CichoriusGiffey besucht Rudower Apotheke und diskutiert drängende Branchenprobleme vor Reform
Franziska Giffey, Berlins Senatorin für Wirtschaft und ehemalige regierende Bürgermeisterin, besuchte diese Woche die Alte Kloster-Apotheke in Rudow. Der Termin gab ihr einen direkten Einblick in die Herausforderungen, vor denen lokale Apotheken im Vorfeld der anstehenden Apothekenreform stehen.
Apothekeninhaberin Katja Laurisch-Nehrkorn empfing Giffey zu einem ausführlichen Gespräch über die Branchenprobleme. Über eine Stunde lang diskutierten die beiden zentrale Themen, darunter die Forderung nach verbindlichen Verhandlungsrechten, damit Apotheker ihre Gebühren selbst festlegen können. Laurisch-Nehrkorn setzte sich zudem für höhere Löhne ein – bessere Bezahlung würde die Motivation der Mitarbeiter steigern und die Fluktuation verringern, argumentierte sie.
Der Koalitionsvertrag von 2021 hatte bereits einige Verbesserungen gebracht, etwa höhere Gehaltsstufen – in manchen Fällen bis zu 12 Prozent mehr – sowie bessere Arbeitsbedingungen, darunter Personalquoten und Prämien für Weiterbildungen. Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gingen 2024 mit zusätzlichen Gebührenanpassungen voran. Dennoch warnte Laurisch-Nehrkorn vor neuen Belastungen, etwa durch die zunehmende Direktverteilung teurer Medikamente, die Apotheken weiter unter Druck setze.
Kritisch äußerte sie sich auch zu Plänen, die Aufgaben von Pharmazeutisch-technischen Assistenten auszuweiten. Sie fürchtet, dass dies Großhandelsketten den Weg ebnen könnte, verschreibungspflichtige Arzneimittel abzugeben. Ein weiteres Problem sei die geplante Ausbildungsabgabe auf Basis der Bruttolohnsumme, die unnötige finanzielle Belastungen mit sich bringe.
Giffey hörte aufmerksam zu und bedankte sich bei Laurisch-Nehrkorn für den offenen Austausch. Sie betonte die wichtige Rolle der Apotheke für die Rudower Gemeinschaft und versprach, die Anliegen bei Berlins Gesundheitssenator vorzubringen.
Der Besuch unterstrich die anhaltenden Spannungen im deutschen Apothekensektor. Zwar haben jüngste Reformen Löhne und Arbeitsbedingungen verbessert, doch Betreiber wie Laurisch-Nehrkorn fordern weitergehende Schutzmaßnahmen. Giffeys Engagement deutet darauf hin, dass die Sorgen der Branche nun auch auf höherer politischer Ebene Gehör finden könnten.
