Günther Jauch kauft Loriots ikonisches Haus am Starnberger See und bewahrt ein Stück Kulturgeschichte
Sylvio ThiesGünther Jauch kauft Loriots ikonisches Haus am Starnberger See und bewahrt ein Stück Kulturgeschichte
Der verstorbene Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, hinterließ ein humoristisches Erbe, das bis heute nachwirkt. Sein ehemaliges Domizil am Starnberger See wurde nun vom Fernsehmoderator Günther Jauch erworben. Das Anwesen, das eng mit den ikonischen Sketchen des Komikers verbunden ist, nimmt einen besonderen Platz in der deutschen Kulturgeschichte ein.
Loriots Schaffen erstreckte sich weit über sein Haus am See hinaus – viele seiner Filme und Sketche entstanden an verschiedenen Orten Deutschlands, von München über Hamburg bis Köln. Doch das Haus bleibt ein Symbol für seinen Einfluss und befindet sich nun im Besitz eines Medienkollegen, der seine Bedeutung zu schätzen weiß.
Geboren als Bernhard Viktor Christoph Karl von Bülow entstammte Loriot einer mecklenburgischen Adelsfamilie, deren Wappen einen goldenen Pirol zierte – was ihm später als Bühnenname diente. In den 1950er-Jahren veröffentlichte er humorvolle Bücher wie Der unentbehrliche Ratgeber für den Umgang in feiner Gesellschaft und Glücklich verführt: Zwei Experten verraten 20 erprobte Liebestrick. Sein scharfer Witz führte ihn bald vom gedruckten Wort auf die Leinwand, wo er zur Legende wurde.
Seine beiden Filme Ödipussi (1988) und Pappa ante Portas (1991) drehte er mit Evelyn Hamann, seiner langjährigen Partnerin seit 1976. Während Ödipussi Szenen im Imperiale Palace Hotel in Santa Margherita Ligure zeigte, fanden die meisten seiner Produktionen anderswo statt: Ödipusstadt entstand in München und anderen bayerischen Städten, Vater braucht eine Frau in Studios in München und Hamburg, Pappa ante Portas überwiegend in der Kölner Region. Selbst sein berühmtes Sofa, auf dem er oft mit Hamann saß, steht heute in der Eingangshalle von Radio Bremen – nicht in seinem Haus am Starnberger See.
Das Seegrundstück selbst, obwohl ikonisch, spielte in seinen Dreharbeiten kaum eine Rolle. Sein neuer Besitzer, Günther Jauch, hat bereits Erfahrung mit dem Erhalt kultureller Stätten, etwa dem Marmorpalais am Heiligen See in Potsdam. Sein Kauf könnte auf Bewunderung für Loriots Humor und die mit dem Anwesen verbundenen Sketche zurückgehen. Der fiktive Niedergang der Familie Lohse in Pappa ante Portas – ausgelöst durch Heinrich Lohses Entlassung aus dem Axel-Springer-Hochhaus in Berlin-Kreuzberg – bleibt eine der prägendsten Geschichten des Komikers.
Mit dem Erwerb von Loriots Haus am Starnberger See verbinden sich zwei prägende Persönlichkeiten der deutschen Medienlandschaft. Das Anwesen, wenn auch kein zentraler Drehort, trägt sein Erbe weiter. Währenddessen werden Loriots Sofa, Filme und Sketche in Studios, Museen und Archiven im ganzen Land bewahrt. Sein Werk – von Büchern über Fernsehen bis Kino – wird weiterhin gefeiert und sichert so seinen Einfluss weit über die Ufer des Starnberger Sees hinaus.