Ist Sienna Rose echt oder nur eine KI-Erfindung der Musikindustrie?
Dora CichoriusAI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Sienna Rose echt oder nur eine KI-Erfindung der Musikindustrie?
Eine Soulsängerin namens Sienna Rose steht im Mittelpunkt eines ungewöhnlichen Rätsels. Mit fast zwei Millionen monatlichen Hörern auf Spotify mehren sich die Fragen, ob es sich bei ihr um eine echte Person oder um eine KI-Kreation handelt. Internetermittler haben Hinweise entdeckt, die darauf hindeuten, dass ihre Musik, ihr Image und sogar ihre Hintergrundgeschichte künstlich konstruiert sein könnten.
Die Debatte erreichte einen Höhepunkt, nachdem Selena Gomez in einem viral gegangenen Instagram-Post einen Song von Sienna Rose geteilt hatte – doch statt den Track zu feiern, zweifelten Nutzer stattdessen an der Authentizität der Sängerin. Nun geraten Streamingplattformen unter Druck, wie sie mit KI-generierten Künstlern und deren Einnahmen umgehen.
Sienna Rose tauchte erstmals auf Spotify mit einem Profilbild auf, das eine junge Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen zeigt. Ihre Biografie beschreibt sie als "Geschichtenerzählerin des Herzens", die "tief persönliche" Musik erschafft. Doch Fans bemerkten seltsame Details: keine Live-Auftritte, kaum Präsenz in sozialen Medien und plötzlich eine Flut neuer Songs. Als Forscher genauer nachbohrten, verschwand rätselhafterweise eine frühere Version von Sienna Rose mit roten Haaren von den Online-Plattformen.
Ermittler des Teams Trasherchiert vom Bayerischen Rundfunk verfolgten ihre Spuren bis zu Nostalgic Records, einem Label, das auf KI-generierte Acts spezialisiert ist. Ihr Produzent, Maksim Muravjov, steht in Verbindung mit einem KI-Experten, der für die Erschaffung von Pop-Avatare bekannt ist und Kurse zum Monetarisieren künstlicher Intelligenz anbietet. Die BBC schätzt, dass Sienna Rose ihren Machern mittlerweile über 2.000 Euro pro Woche einbringt – was auf mehr als eine Million im Jahr kommt.
Die Kontroverse beschränkt sich längst nicht mehr auf Sienna Rose. Der YouTuber Rick Beato warf Spotify vor, KI-Musik aus Profitinteresse zu pushen, und verwies auf Millionen an potenziellen Einnahmen. Deezer berichtet, dass täglich 60.000 vollständig KI-erstellte Tracks hochgeladen werden, wobei 97 Prozent der Hörer den Unterschied nicht erkennen. Als Reaktion führen Plattformen nun Gegenmaßnahmen ein: Apple Music verlangt "Transparenz-Kennzeichnungen", um KI-Nutzung offenzulegen, während Deezer betrügerische KI-Inhalte blockiert und seine Erkennungstools lizenziert. Spotify hingegen hat lediglich angekündigt, den DDEX-Metadatenstandard zu übernehmen – und überlässt die Kennzeichnung von KI-Tracks den Vertriebspartnern, statt selbst Kontrollen durchzusetzen.
Der Fall Sienna Rose zeigt, wie leicht sich KI-generierte Künstler in Streamingplattformen einfügen können. Während einige Dienste die Regeln verschärfen, verlassen sich andere darauf, dass Vertriebspartner künstliche Inhalte melden. Angesichts von Millioneneinnahmen und lückenhafter Erkennung bleibt die Debatte über Transparenz – und wer sie durchsetzen soll – weiterhin ungelöst.