Italos Ultimatum: Ohne Trassenreform droht Siemens-Auftrag zu platzen
Italo drängt auf Reform der Trassenvergabe in Deutschland
Der italienische Hochgeschwindigkeitszugbetreiber Italo fordert weitreichende Änderungen bei den Regeln für die Trassenvergabe in Deutschland. Das Unternehmen verlangt verbindliche Zusagen zur Verfügbarkeit von Schienennetz-Kapazitäten, bevor es einen großen Zugauftrag bei Siemens finalisiert. Bis Juni muss der Vertrag unterzeichnet werden, um Produktionsverzögerungen zu vermeiden.
Die Forderungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Italo seine Expansion auf dem deutschen Markt vorbereitet – und dort fairen Zugang zu Infrastruktur und Bahnhofsanlagen einfordert.
Italos Vorstandsvorsitzender, Luca Cordero di Montezemolo, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Vergabepraxis für Hochgeschwindigkeits-Trassen zu reformieren. Bis Ende Mai erwartet das Unternehmen eine verbindliche Zusage über einen Mindestanteil an Netz-Kapazitäten, der neuen Marktteilnehmern vorbehalten bleibt. Bisher, so die Kritik Italos, erhielten Neulinge nur Restkapazitäten statt eines stabilen, planbaren Fahrplans.
Aktuell läuft beim Bundesnetzagentur ein öffentliches Anhörungsverfahren, an dem neben Italo auch die Deutsche Bahn und Flixtrain beteiligt sind. Der italienische Betreiber pocht zudem auf langfristige Vereinbarungen, die seine künftigen Operationen in Deutschland absichern sollen. Ohne solche Garantien drohten Italos Expansionspläne – und damit auch die Investition in neue Siemens-Züge – Rückschläge.
Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem geplanten Großauftrag: Bis Juni muss die Bestellung finalisiert werden, um die Produktionszeiten einzuhalten. Darüber hinaus fordert Italo gleiche Rechte bei der Nutzung von Serviceeinrichtungen und kommerziellen Flächen in den großen Bahnhöfen. Diese Anforderungen spiegeln das übergeordnete Ziel wider, in Deutschland einen zuverlässigen, hochfrequentierten Zugbetrieb aufzubauen – statt auf ad-hoc verfügbare Kapazitäten angewiesen zu sein.
Das Ergebnis der Anhörung und die Reaktion der Regierung werden entscheiden, ob Italo seine Deutschland-Expansion wie geplant vorantreibt. Erhält das Unternehmen die gewünschten Trassenzusagen und Infrastruktur-Rechte, könnte der Siemens-Auftrag rechtzeitig unterzeichnet werden. Fehlen diese Sicherheiten, drohen Verzögerungen sowohl bei der Zugproduktion als auch beim Start der neuen Verbindungen.






