Kartoffelüberschuss: Warum Bauern von guten Ernten nicht profitieren
Leila BlochKartoffelüberschuss: Warum Bauern von guten Ernten nicht profitieren
Kartoffel-Schwemme: Warum Landwirte von guten Ernten nicht profitieren
Teaser: Die Bauern ernten 20 Prozent mehr – doch die Preise stürzen ab. Hunderte Tonnen landen in Biogasanlagen statt auf dem Teller.
Germanys Kartoffelbauern kämpfen in dieser Saison mit einem dramatischen Preisverfall nach einer Rekordernte. Die hohen Preise des Vorjahres hatten viele dazu veranlasst, größere Flächen anzubauen – mit der Folge eines massiven Überangebots. Nun, da die Preise im Keller sind, tun sich die Erzeuger schwer, auch nur die Kosten zu decken.
In der letzten Saison erhielten Landwirte noch zwischen 40 und 60 Euro pro 100 Kilogramm Kartoffeln. In diesem Jahr sind die Preise auf gerade einmal 3 bis 12 Euro für dieselbe Menge eingebrochen. Christoph Peuckmann, ein Landwirt aus Niedersachsen, erntete auf seinem acht Hektar großen Feld 400 Tonnen – ein winziger Teil des landesweiten Überschusses.
Deutschland produzierte in diesem Jahr rund 13,4 Millionen Tonnen Kartoffeln, zwei Millionen Tonnen mehr als im Durchschnitt. Allein Niedersachsen, das wichtigste Anbaugebiet, brachte es auf 6,4 Millionen Tonnen – 200.000 Tonnen mehr als 2022. Auch Bauern im südwestfälischen Raum meldeten eine um 20 Prozent höhere Ernte.
Um die Überschüsse zu bewältigen, leiten einige Erzeuger ihre Kartoffeln in Biogasanlagen um oder verfüttern sie an Milchkühe. Andere hatten nur zwei Drittel ihrer erwarteten Ernte an Vertragspartner vorverkauft und sind nun dem Preissturz schutzlos ausgesetzt.
Die Supermärkte reagieren mit drastischen Rabattaktionen. Lidl wirbt mit Angeboten wie 3-Kilo-Tüten für 1,89 Euro und plant, bis 2026 fast alle Kartoffeln aus Deutschland zu beziehen. REWE und Edeka setzen ebenfalls auf regionale Ware, während Netto und Penny zeitweise Sonderangebote schalten. Trotz des Überflusses an deutschen Kartoffeln greifen manche Händler weiterhin zu günstigeren Importen aus Ägypten, um Kosten zu sparen.
Die Überproduktion zwingt die Landwirte, nach alternativen Verwendungsmöglichkeiten für ihre Ernte zu suchen, während die Supermärkte die Preise weiter drücken. Angesichts begrenzter Lagerkapazitäten und schwacher Nachfrage bleibt der Markt instabil. Viele Bauern stehen nun vor finanziellen Engpässen – es sei denn, die Lage bessert sich bis zur nächsten Aussaat.
