23 March 2026, 06:19

Kratzers radikale Peri-Premiere spaltet die Hamburger Staatsoper zwischen Jubel und Empörung

Schwarz-weißes Kupferstichbild "Aaron Staying the Plague" zeigt verstörte Menschen auf einem Feld unter einer untergehenden Sonne.

Kratzers radikale Peri-Premiere spaltet die Hamburger Staatsoper zwischen Jubel und Empörung

Tobias Kratzers provokante Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri feiert Premiere an der Hamburger Staatsoper

Der Regisseur, der nun als Intendant das Haus leitet, deutet Schumanns Oratorium mit drastischen modernen Themen neu – Krieg, Rassismus und Klimakollaps – und löst damit beim Publikum sowohl Begeisterung als auch Empörung aus.

Kratzers Inszenierung bricht bewusst mit der Tradition, indem sie die Handlung in eine zerrissene Gegenwart verlegt. Die Produktion zeigt einfache Menschen, die in einen Konflikt hineingezogen werden, den eine weiße Führungsfigur entfacht. Ein schwarzer Darsteller verkörpert den sterbenden Jüngling, der sich dieser Figur widersetzt, während Peris weißes Kleid während einer kollektiven Mordszene blutgetränkt wird – eine grausame Symbolik, die sich über die gesamte Bühne ausbreitet.

Der Regisseur durchbricht zudem die vierte Wand: Kameras schwenken über das Publikum, und die Sopranistin Vera-Lotte Boecker als Peri steigt sogar in den Zuschauerraum, um sich neben einen weinenden Mann zu setzen. Der dritte Akt rückt die Klimakrise in den Fokus – Kinder spielen unter einer Plastikkuppel, ein deutlicher Verweis auf die Umweltzerstörung.

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Die Reaktionen fielen gespalten aus. Ein Zuschauer rief empört "Buh!" und verließ wütend den Saal noch während der Aufführung. Doch am Ende überlagerten die jubelnden Ovationen des Publikums die vereinzelten Proteste – ein Triumph für Kratzers mutige künstlerische Vision.

Kratzer hat bereits weitere Veränderungen angekündigt. Sein Ziel ist es, die Oper für die gesamte Hamburger Gesellschaft zugänglicher zu machen und über das traditionelle Stammpublik hinauszuwachsen.

Die Premiere markierte Kratzers erstes großes Statement als Intendant – eine Mischung aus politischer Dringlichkeit und opulenter Bühnenshow. Während einige das Haus verließen, feierte die Mehrheit die rohe Energie und zeitgenössische Schärfe der Inszenierung. Unter seiner Leitung steht die Staatsoper nun vor einer Ära mit mutigerem, inklusiverem Programm.

Quelle