Mainzer Dreigroschenoper feiert rauschende Premiere mit überraschender Mackie-Messer-Besetzung
Francesco HeinrichMainzer Dreigroschenoper feiert rauschende Premiere mit überraschender Mackie-Messer-Besetzung
Das Mainzer Staatstheater feiert Premiere einer neuen Inszenierung der Dreigroschenoper
Das Mainzer Staatstheater hat eine frische Interpretation der Dreigroschenoper auf die Bühne gebracht – eines der bedeutendsten Stücke des 20. Jahrhunderts. Unter der Regie von Jan Neumann verbindet diese Neuproduktion humorvolle Leichtigkeit mit scharfer Gesellschaftskritik. Bei der Premiere erntete das lebendige Ensemble und die einfallsreiche Inszenierung langen Applaus.
Die Handlung spielt in einer neu erdachten U-Bahn-Station, wo die gespenstische Interpretation der Moritat von Mackie Messer durch einen Bettler den Ton angibt. Diese Version überrascht mit einer ungewöhnlichen Besetzung der Titelrolle – statt des üblichen Baritons setzt Neumann auf eine unerwartete Lösung. Henner Momann glänzt als Mackie Messer, ein gerissener Verbrecher, der sich im Londoner Untergrund bewegt und mit dem korrupten Polizeichef Tiger Brown sowie der intriganten Peachum-Familie verstrickt ist.
Neumanns Inszenierung verwebt Brechts Kapitalismuskritik direkt in die Aufführung und verwandelt die Satire in eine selbstreflexive Parodie. Zwar bleiben Details zu visuellen oder musikalischen Abweichungen von früheren Adaptionen noch unklar, doch das Produktionsteam versammelt renommierte Namen: Cary Gayler (Bühne), Nini von Selzam (Kostüme) sowie Samuel Hogarth und Andri Joël Harison (musikalische Leitung). Besonders Anika Baumann stieg aus dem Ensemble hervor und wurde für ihre Wandlungsfähigkeit in mehreren Rollen gelobt.
Die Vorstellung balanciert zwischen spielerischer Energie und tiefgründigen Fragen über die von der Gesellschaft Übersehenen – die im Schatten Lebenden, die Ängstlichen, die Marginalisierten. Das Publikum verließ das Theater sowohl unterhalten als auch zum Nachdenken angeregt, während Kritiker die kluge Inszenierung und die starken schauspielerischen Leistungen hervorhoben.
Für 2025 sind vier weitere Vorstellungen geplant, mit Ticketpreisen zwischen 17,50 und 45,50 Euro, inklusive einer Getränkepauschale. Mit ihrer Mischung aus Witz, Spektakel und gesellschaftlicher Reflexion hat sich die Produktion bereits als Höhepunkt der aktuellen Theatersaison etabliert. Weitere Einblicke in den einzigartigen Ansatz der Inszenierung könnten im Laufe der Spielzeit folgen.






