Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival Marseille zurück
Leila BlochNadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival Marseille zurück
Der israelische Regisseur Nadav Lapid sieht sich mit Forderungen nach seinem Rückzug vom internationalen Filmfestival FID Marseille konfrontiert. Die Aufforderung kam von etwa zehn Filmschaffenden, die aus Protest ihre Werke von dem Festival zurückzogen. Lapids Teilnahme entfachte eine Debatte über kulturelle Boykotte und künstlerische Freiheit.
Ursprünglich war Lapid als Jurymitglied zu dem Festival eingeladen worden. Seine Präsenz stieß auf Kritik, da sein für 2025 geplanter Film Yes teilweise vom Israel Film Fund finanziert wird, der von einigen als mit dem israelischen Staat verbunden angesehen wird. Kritiker argumentierten, seine Beteiligung impliziere eine Billigung von Politik, die sie ablehnen.
Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die ihren Film ebenfalls abzog, betonte, der Boykott richte sich nicht persönlich gegen Lapid, sondern gegen das kulturelle und politische System, für das er stehe. Lapid erklärte sich daraufhin bereit, zurückzutreten, um dem Festival weitere Schwierigkeiten zu ersparen. Gleichzeitig äußerte er seine Frustration über den wachsenden Druck und dessen einschüchternde Wirkung auf Kultureinrichtungen.
Die französische Tageszeitung Le Monde veröffentlichte zwei offene Briefe zur Verteidigung Lapids. Einer, unterzeichnet von über 350 Persönlichkeiten wie Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, verurteilte den Boykott. Ein weiterer Beitrag mit dem Titel Das Kino ist keine Botschaft wandte sich gegen die Gleichsetzung von Künstlern mit ihrer Nationalität. Lapid selbst lehnte es ab, die boykottierenden Filmschaffenden zu verurteilen, und führte ihre Handlungen auf die Verzweiflung über die politische Untätigkeit in Bezug auf Gaza zurück. Gleichzeitig bekräftigte er seine Unterstützung für echte Sanktionen gegen Israel.
Lapid ist für seine scharfe Kritik an der Regierung von Benjamin Netanyahu bekannt. Seit 2021 lebt er in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als schonungslose Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben.
Um weitere Konflikte zu vermeiden, zog sich Lapid schließlich vom Festival zurück. Die Debatte machte die Spaltungen über kulturelle Boykotte und die Rolle von Künstlern in politischen Konflikten deutlich. Die offenen Briefe und Rückzüge unterstrichen die Heftigkeit des Streits innerhalb der Filmbranche.






