Neuer DBK-Vorsitzender Wilmer steht vor zerrissener Kirche und Reformdruck
Francesco HeinrichHeiner Wilmer leitet katholische Bischöfe - Neuer DBK-Vorsitzender Wilmer steht vor zerrissener Kirche und Reformdruck
Die katholische Kirche in Deutschland hat einen neuen Vorsitzenden für ihre Bischofskonferenz gewählt. Heiner Wilmer, der Bischof von Hildesheim, vertritt künftig die deutschen Bischöfe – nach einer Abstimmung am Dienstag. Seine Wahl fällt in eine Zeit tiefer Spaltungen und eines rasanten Mitgliederschwunds in der gesamten Kirche.
Wilmer löst Georg Bätzing ab, der die Konferenz sechs Jahre lang führte, sich aber nicht erneut zur Wahl stellte. Der Führungswechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Kirche unter wachsendem Reformdruck steht. Seit 2019 ist die Zahl der Mitglieder stark gesunken – von 22,6 Millionen auf etwa 20,3 Millionen im Jahr 2024. Die jährlichen Austritte liegen mittlerweile bei über 500.000, deutlich mehr als die 200.000 bis 300.000 der Vorjahre.
Der Rückgang folgt auf jahrelange Debatten über den Synodalen Weg, eine Reforminitiative der deutschen Bischöfe. Viele Katholiken fordern Veränderungen, etwa die Zulassung von Frauen zu geweihten Ämtern oder die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Wilmer selbst hat sich für eine Modernisierung der kirchlichen Lehre in Fragen der Sexualität ausgesprochen und Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare unterstützt. Doch der Vatikan setzt den Reformen enge Grenzen.
Wilmer gilt als progressiver Vertreter innerhalb der Kirche. Er hat neue Führungsmodelle eingeführt, darunter die Vergabe von Spitzenpositionen an Frauen. Doch nicht alle Bischöfe teilen seinen Kurs. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki lehnt viele der vorgeschlagenen Änderungen ab und steht damit für die Zerrissenheit unter den Kirchenführern.
Trotz der Reformforderungen betont Wilmer zugleich die Notwendigkeit, die Kernüberzeugungen des Glaubens zu bekräftigen. Er warnt, dass viele Katholiken zunehmend grundlegende Lehren infrage stellten.
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und wachsender Gräben wird Wilmers Führung die nächsten Schritte der Kirche prägen. Seine Reformbereitschaft steht im Kontrast zu konservativeren Stimmen – die künftige Richtung bleibt ungewiss. Die Herausforderung besteht darin, Wandel und Tradition in einer sich schnell verkleinernden Institution in Einklang zu bringen.
