Niedersachsen führt schärferes Hochschulgesetz gegen Antisemitismus ein
Dora CichoriusUniversitäten sollten in der Lage sein, Studenten wegen Antisemitismus zu exmatrikulieren - Niedersachsen führt schärferes Hochschulgesetz gegen Antisemitismus ein
Niedersachsen plant neues Hochschulgesetz gegen Antisemitismus und Diskriminierung
Niedersachsen will ein neues Hochschulgesetz einführen, das Antisemitismus und Diskriminierung gezielt bekämpfen soll. Der von SPD und Grünen unterstützte Entwurf sieht vor, dass Universitäten stärkere rechtliche Möglichkeiten erhalten, Studierende abzulehnen, die an anderen Hochschulen wegen schwerwiegender Vergehen exmatrikuliert wurden.
Der Gesetzentwurf folgt auf Warnungen des jüdischen Publizisten Michel Friedman, der auf eine Zunahme von Schikanen gegen jüdische Schülerinnen, Schüler und Studierende an Schulen und Hochschulen hingewiesen hatte. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, wäre Niedersachsen das erste Bundesland, das eine rechtliche Lücke schließt, die es ausgeschlossen Studierenden bisher ermöglicht, sich an einer anderen Einrichtung neu einzuschreiben.
Die geplante Regelung würde verhindern, dass Studierende, die wegen Hassrede oder Gewaltverbrechen exmatrikuliert wurden, sich bis zu zwei Jahre lang in Niedersachsen neu immatrikulieren können. Zudem erhielten die Hochschulen klarere Befugnisse, Bewerber mit vergleichbaren Vorstrafen abzulehnen.
Den Anstoß für die Initiative gab die wachsende Sorge um Antisemitismus im Bildungsbereich. Friedman, eine bekannte Stimme in jüdischen Angelegenheiten, hatte zuvor auf Fälle hingewiesen, in denen jüdische Kinder und Jugendliche gezielt belästigt wurden. Das neue Gesetz soll diese Probleme angehen, indem es sicherstellt, dass diskriminierendes Verhalten konsequent Konsequenzen nach sich zieht. Bisher können in einem Bundesland exmatrikulierte Studierende unter Umständen an einer Hochschule in einem anderen Bundesland weiterstudieren. Der Entwurf würde diese Praxis in Niedersachsen beenden und könnte bundesweit als Vorbild für strengere Regelungen dienen.
Bevor das Gesetz in Kraft tritt, muss es noch den Landtag passieren. Bei einer Verabschiedung würden die Hochschulen mehr Instrumente erhalten, um Hasskriminalität und Diskriminierung auf dem Campus zu bekämpfen. Zudem wäre es das erste Mal, dass ein Bundesland systematisch die Neueinschreibung von Studierenden mit schweren Vergehen verhindert.
