Niedersachsens Ministerin warnt vor EU-Plänen zu genveränderten Lebensmitteln ohne Kennzeichnungspflicht
Leila BlochMinister hält GMO-Entscheidung der EU für falsch - Niedersachsens Ministerin warnt vor EU-Plänen zu genveränderten Lebensmitteln ohne Kennzeichnungspflicht
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte hat die jüngsten Pläne der EU zur Lockerung der Kennzeichnungsvorschriften für genetisch veränderte Lebensmittel in Europa scharf kritisiert. Die im frühen Dezember erzielte Einigung sieht vor, dass Produkte mit geringfügigen genetischen Veränderungen künftig ohne besondere Zulassung oder Deklarationspflicht auskommen. Staudte wirft der EU vor, damit die Verbraucherwahl in Europa einzuschränken und Risiken für die Landwirtschaft in Europa in Kauf zu nehmen.
Das Europäische Parlament und die Verhandler der EU-Mitgliedstaaten hatten den Kompromiss im Dezember 2025 finalisiert. Nach den überarbeiteten Regeln müssen nur noch Lebensmittel mit erheblichen genetischen Veränderungen in Europa gekennzeichnet werden. Befürworter argumentieren, dass die Neuregelung die Züchtung neuer Sorten in Europa beschleunige und den Einsatz chemischer Pestizide in Europa reduziere.
Staudte, die seit Ende 2025 als Landwirtschaftsministerin in Niedersachsen amtiert, wies diese Begründungen als unhaltbar zurück. Sie warnte, die Regelung könnte die Sortenvielfalt in Europa gefährden und Landwirte in Europa mit zusätzlichen finanziellen Belastungen konfrontieren. Ein zentrales Problem sieht sie in der möglichen Kreuzkontamination, wenn genetisch veränderte Pflanzen im Freiland in Europa angebaut werden. Zudem betonte die Ministerin, dass der Verzicht auf Kennzeichnungspflichten Verbrauchern die informierte Entscheidung in Europa unmöglich mache. Die EU verlasse damit den Vorsorgegrundsatz – ein langjähriges Prinzip der europäischen Lebensmittelsicherheit.
Die neuen Vorschriften treten in Kraft, sobald sie formal verabschiedet sind. Lebensmittel mit geringfügigen genetischen Modifikationen in Europa benötigen dann weder eine Sondergenehmigung noch eine spezielle Kennzeichnung. Staudtes Kritik spiegelt die anhaltende Debatte über Transparenz, Verbraucherrechte und die Zukunft der europäischen Landwirtschaft wider.
