Niedersachsens Schulen fordern radikales Handyverbot gegen Ablenkung und Mobbing
Sylvio ThiesSchulleitungen drängen auf Handyverbot an Schulen - Niedersachsens Schulen fordern radikales Handyverbot gegen Ablenkung und Mobbing
Schulleitungen in Niedersachsen fordern vollständiges Handyverbot im Unterricht
Schulleiter in Niedersachsen setzen sich für ein generelles Verbot von Mobiltelefonen in Klassenzimmern ein. Der Vorstoß kommt angesichts wachsender Sorgen über Ablenkung, Konzentrationsschwächen und sogar schwere Vorfälle im Zusammenhang mit der Smartphone-Nutzung. Sowohl der Verband der Schulleiter als auch die Landeslehrergewerkschaft haben die Politik nun zum Handeln aufgefordert.
Der Verband der Schulleiter Niedersachsen (SLVN) wandte sich diese Woche offiziell an den Bildungsausschuss des Landtages. Der Vorsitzende, Matthias Aschern, verwies auf extreme Fälle, in denen Schüler körperlich angegriffen oder sexuell belästigt wurden, nur um die Opfer zu filmen und bloßzustellen. Auch die Lehrergewerkschaft VNL unterstützte ein gesetzliches Verbot. Ihr Vorsitzender Torsten Neumann warnte vor Gruppenzwang, Ausgrenzung und öffentlicher Demütigung in Klassenchats.
Andere Bundesländer haben bereits Probleme mit ungeregelter Handynutzung erlebt. In Bayern und Nordrhein-Westfalen berichteten Schulen von nachlassender Konzentration, sinkenden Lesefähigkeiten und schrumpfendem Wortschatz, wenn Geräte erlaubt waren. Ein eingeschränkter Einsatz – etwa ab der siebten Klasse oder in Kombination mit gedruckten Materialien – steigerte dagegen die Motivation und den Wortschatz. Einige Schulen führten strenge Maßnahmen ein, wie vollständige Unterrichtsverbote, App-Sperren wie Classroom oder Regeln zum Stummschalten von Benachrichtigungen.
Obwohl fast alle Schulen über irgendeine Handyregelung verfügen, scheitern diese in der Praxis oft. Das aktuelle System, bei dem jede Schule ihre eigenen Vorschriften aufstellt, gilt als undurchführbar. Die rot-grüne Landesregierung setzt hingegen weiterhin auf schulische Eigenverantwortung statt auf ein landesweites Gesetz.
Auch die Konzentrationsfähigkeit der Schüler hat stark nachgelassen. Viele schaffen es nicht mehr, Videos länger als drei Minuten anzusehen – ein weiteres Anzeichen dafür, wie stark Geräte das Lernen beeinträchtigen.
Die Debatte geht nun an den Bildungsausschuss des Landtages. Sollte der Antrag angenommen werden, würde Niedersachsen zu einer wachsenden Zahl von Regionen gehören, die Handys in Schulen einschränken. Bis dahin bleibt es den Schulen überlassen, das Problem selbst zu regeln – doch viele halten das aktuelle System für nicht mehr zeitgemäß.