Niedersachsens Städte locken Senioren mit Prämien für den Führerschein-Verzicht
Dora CichoriusNiedersachsens Städte locken Senioren mit Prämien für den Führerschein-Verzicht
Städte in Niedersachsen testen Anreize für ältere Autofahrer – mit gemischtem Erfolg
In mehreren Städten Niedersachsens werden derzeit Modelle erprobt, um ältere Bürger dazu zu bewegen, auf ihr Auto zu verzichten. Die Anreize reichen von finanziellen Zuschüssen bis hin zu kostenlosen Nahverkehrstickets. Doch die Resonanz fällt sehr unterschiedlich aus: Manche Programme verzeichnen Tausende Teilnehmer, andere kämpfen um Aufmerksamkeit.
Ein solches Pilotprojekt in Göttingen musste kürzlich wegen erschöpfter Mittel eingestellt werden. Dagegen verzeichnen langjährige Initiativen in Hannover und Bremerhaven eine deutlich höhere Beteiligung – auch wenn Kritiker einwenden, dass der Nutzen für viele Senioren begrenzt bleibt.
In Göttingen bot die Stadt Autofahrern bis zu 700 Euro an, wenn sie ihr Fahrzeug verkauften oder für mindestens ein Jahr stilllegten. Das Geld konnte für ÖPNV-Tickets, ein neues Fahrrad oder die Mitgliedschaft in einem Carsharing-Dienst verwendet werden. Trotz anfänglich großen Interesses bewarben sich jedoch nur neun Personen, von denen acht genehmigt wurden. Nach der Ausschöpfung des Budgets nimmt das Programm keine neuen Antragsteller mehr auf.
In der Region Göttingen und den umliegenden Gebieten läuft seit 2019 das Programm „Sicherer Fahrtausweis“. Hier haben bereits über 1.200 Menschen ab 65 Jahren ihren Führerschein abgegeben und dafür ein halbjähriges Regionalticket erhalten. Ein ähnliches Angebot gibt es in der Region Hannover: Dort können Rentner ab 60 Jahren ihren Führerschein gegen ein kostenloses Nahverkehrsticket eintauschen. Zwischen 2021 und 2024 machten mehr als 8.300 Einwohner von dieser Möglichkeit Gebrauch. Bremerhaven richtet sich mit seinem Modell an Bürger ab 70 Jahren. Wer seinen Führerschein abgibt, erhält eine kostenlose Busfahrkarte für alle Stadtlinien – mit der zusätzlichen Option, abends und am Wochenende Begleitpersonen mitzunehmen. Bis Dezember 2023 hatten sich über 1.500 Menschen angemeldet.
Auch in anderen Teilen Niedersachsens, etwa in Gebieten des Verkehrsverbunds Süd-Niedersachsen, werden Varianten des „Sicheren Fahrtausweises“ angeboten, allerdings liegen hier keine genauen Teilnehmerzahlen vor. Der ADAC übt Kritik an den Programmen: Die bürokratischen Hürden und Auflagen seien für viele Senioren zu hoch. Stattdessen schlägt der Automobilclub vor, die Mittel besser in den Ausbau von Bussen, Zügen und Radwegen zu investieren, um nachhaltige Mobilität für alle attraktiver zu gestalten.
Während das Göttinger Projekt beendet wurde und seine Zukunft ungewiss ist, ziehen die Initiativen in Hannover und Bremerhaven weiterhin Teilnehmer an. Eine landesweite Erfolgsbilanz fehlt jedoch – und die Diskussion, ob solche Anreize ältere Menschen tatsächlich wirksam unterstützen oder lediglich Kosten verlagern, bleibt offen.
