04 February 2026, 14:50

Olaf Lies' radikale Kehrtwende: Vom Wattenmeer-Schützer zum Gasförderer unter Druck

Zwei Männer auf einer Leiter, einer spritzt Wasser aus einem Rohr auf den anderen, mit einer Wand, Tür und einem Zaun im Hintergrund; Text unten lautet "einer der Vorteile von öl gegenüber Gas".

Olaf Lies' radikale Kehrtwende: Vom Wattenmeer-Schützer zum Gasförderer unter Druck

Olaf Lies, Niedersachsens Umweltminister, hat seine Haltung zur Gasförderung im Wattenmeer komplett umgekehrt. Noch als scharfer Gegner des Projekts setzt er sich nun unter strengen Auflagen für eine begrenzte Förderung ein. Der Sinneswandel erfolgt vor dem Hintergrund der Energiekrise in Deutschland und des wachsenden Drucks, die heimische Gasversorgung zu sichern.

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2020 hatte Lies das Bohrvorhaben im Wattenmeer noch als "völlig absurd" bezeichnet. Damals argumentierte er, es gefährde den zum UNESCO-Weltnaturerbe gehörenden Nationalpark Wattenmeer, bedrohe Seehunde und Vögel und stehe im Widerspruch zu den Klimazielen. Lies unterstützte damals Klagen gegen das Projekt und verurteilte dessen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Bis 2022 milderte sich sein Ton. Zwar räumte er ein, dass ihm das Bundesberggesetz kaum Handlungsspielraum ließe, bestand aber darauf, dass die Risiken durch strenge Kontrollen beherrschbar seien. Ende 2025 genehmigte er dann eine reduzierte erste Phase des Vorhabens – mit Verweis auf die Energiesicherheit. Seine Behörden spielten sogar die finanziellen Risiken herunter und schätzten die Belastung für Niedersachsen auf lediglich 2 bis 17 Millionen Euro.

Kürzlich schrieb Lies an Bundesumweltminister Carsten Schneider und kritisierte einen Entwurf für strengere Meeresumweltschutz-Regeln. Diese ignorierten wirtschaftliche Interessen und senden falsche Signale, so der Vorwurf. Besonders eine Passage in seinem Schreiben sorgte für Aufsehen: Darin argumentierte er, das Unternehmen One-Dyas habe sich auf die geltende Rechtslage verlassen und bereits 500 Millionen Euro investiert. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warf ihm daraufhin vor, Reformen zu verzögern, um dem Konzern entgegenzukommen. Constantin Zerger von der DUH unterstellte Lies gar, er übertreibe die Befürchtungen vor hohen Entschädigungsforderungen.

Trotz früherer Bedenken hat die Landesbergbehörde die Genehmigung für das Projekt nun durchgesetzt. One-Dyas kann unverzüglich mit den Bohrungen beginnen – unabhängig von laufenden Streitigkeiten.

Lies' Kehrtwende spiegelt die grundsätzlichen Spannungen zwischen Klimaschutz und Energiesicherheit wider. Zwar soll das Vorhaben unter strengen Auflagen umgesetzt werden, doch Kritiker werfen ihm vor, den Naturschutz zu untergraben. Mit seinen jüngsten Schritten hat sich Niedersachsen stärker an den Interessen der Industrie orientiert – was bei Umweltschützern auf scharfe Kritik stößt.