Oldenburgs umstrittene NS-Ausstellung zeigt Edith Ruß' dunkles Erbe
Leila BlochOldenburgs umstrittene NS-Ausstellung zeigt Edith Ruß' dunkles Erbe
Ausstellung in Oldenburg beleuchtet das umstrittene Erbe der ehemaligen NS-Propagandistin Edith Ruß
Eine Ausstellung in Oldenburg setzt sich mit dem umstrittenen Vermächtnis von Edith Ruß auseinander, einer früheren NS-Propagandistin. Die Schau folgt auf die Entscheidung der Stadt, ihren Namen im Februar 2025 von einem Medienkunsthaus zu entfernen – eine Reaktion auf Enthüllungen über ihre Rolle als Chefredakteurin der offiziellen NS-Parteizeitung. Der Historiker Joachim Tautz bezeichnete sie in einem offiziellen Bericht seitdem als "überzeugte Nationalsozialistin".
Das Haus für Medienkunst hat sich mittlerweile deutlich von Ruß distanziert und nennt diese Ausstellung den "letzten Schritt", um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.
Die Ausstellung zeichnet Ruß' Lebensweg nach und zeigt unter anderem ihre Originalartikel sowie Presseausweise aus ihrer Zeit bei der NS-Zeitung (1943–1945). Zudem wird offenbart, wie sie während der Entnazifizierung eine falsche eidesstattliche Versicherung für ihren Vorgesetzten, Herbert Heitz, ausstellte – eine Lüge, die später in einer Biografie wiederholt wurde. Der Ursprung ihres Vermögens bleibt ungeklärt, obwohl nach ihrem Tod groß angelegte Steuerhinterziehung aufgedeckt wurde.
Gegenübergestellt wird Ruß' Karriere den Lebenswegen zweier anderer Frauen: der Widerstandskämpferin Traute Lafrenz und der jüdischen NS-Opfer Erna Gellert. Dieser Vergleich soll zeigen, dass Widerstand gegen den Nationalsozialismus möglich war. Lokale Politiker von CDU und FDP argumentieren hingegen, Ruß' spätere Tätigkeit als Sonderpädagogin belege, dass sie sich von ihrer NS-Vergangenheit distanziert habe.
Kritiker monieren, dass die Ausstellung eine zentrale Information auslasse: den Zusammenhang zwischen dem Isensee Verlag, der die NS-Zeitung druckte, und der Biografie, die bei der Eröffnung des Hauses verwendet wurde. Die Schau ist Teil einer breiteren Initiative, sich mit der lokalen NS-Geschichte auseinanderzusetzen – besonders vor dem Hintergrund des wachsenden Rechtsextremismus in der Region.
Die Ausstellung markiert das Ende der öffentlichen Aufarbeitung Oldenburgs mit Edith Ruß' NS-Verbundenheit. Ihr Name wurde vom Medienkunsthaus entfernt, und die Stadt hat die Erkenntnisse des Historikers anerkannt. Die Schau bleibt als Dokumentation ihrer Rolle – und des Widerstands, den sie ignorierte – zugänglich.
