12 December 2025, 23:12

Özdemirs riskanter Alleingang: Kann er die Grünen in Baden-Württemberg noch retten?

Ein Baum mit einem prominenten Loch in einem seiner Zweige, umgeben von grünen Blättern und anderen Zweigen.

Özdemirs riskanter Alleingang: Kann er die Grünen in Baden-Württemberg noch retten?

"Nicht jeder Lebensbereich muss reguliert werden": Özdemir grenzt sich von grünen Besserwissern ab

Vorblick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg: Cem Özdemir distanziert sich von der Bundespartei – die Grünen-Führung zeigt sich verwirrt. Wird seine Strategie aufgehen?

Cem Özdemir, Co-Vorsitzender der Grünen in Baden-Württemberg, formt das Image seiner Partei vor der Landtagswahl 2026 entscheidend um. Er will das Klischee der Grünen als bevormundend oder belehrend abstreifen – ein Vorurteil, das in den vergangenen Jahren hartnäckig haften blieb. Sein Ansatz erinnert an den früheren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der sich bewusst von der Bundespartei distanzierte, um vor Ort Zustimmung zu gewinnen.

Özdemir hat öffentlich die Reputation seiner eigenen Partei als "Besserwisser" kritisiert. In Interviews betonte er, die Grünen dürften nicht als Instanz wahrgenommen werden, die den Menschen ihr alltägliches Leben vorschreiben wolle. Statt auf Konfrontation setzt er auf Kooperation, um gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben.

Seine Strategie zeigt sich auch in der Sachpolitik, besonders bei wirtschaftlichen Themen. Anders als die Bundesgrünen positioniert er sich klar gegen Verbote von Verbrennungsmotoren – ein bewusster Bruch mit der Berliner Linie. Dieser Kurswechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Partei in Umfragen mit 20 Prozent hinter der CDU (29 Prozent) liegt und knapp von der AfD (21 Prozent) überholt wird.

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Die Wahl am 8. März 2026 wird zeigen, ob sein Ansatz trägt. Mit 650.000 Erstwählern zwischen 16 und 22 Jahren könnte die Zukunft der Grünen in ihrer letzten Hochburg davon abhängen, ob Özdemir die junge Generation überzeugt. Seine persönliche Beliebtheit überstrahlt bereits die der Partei: 41 Prozent der Wähler würden ihn im direkten Vergleich mit seinem CDU-Herausforderer zum Ministerpräsidenten wählen.

Doch die Risiken sind groß. Durch die Abgrenzung von der Bundespartei läuft Özdemir Gefahr, isoliert zu werden oder internen Widerstand zu provozieren. Sein Wagnis, sich radikal abzugrenzen, könnte die Grünen entweder neu beflügeln – oder ihre Krise in einem sich wandelnden politischen Umfeld vertiefen.

Die Landtagswahl 2026 wird entscheiden, ob Özdemirs Strategie den Niedergang der Grünen in Baden-Württemberg aufhalten kann. Sein Fokus auf regionale Themen und die Abkehr vom traditionellen Partei-Image könnten unentschlossene Wähler überzeugen. Noch ist offen, ob sein unkonventioneller Kurs mehr Gewicht hat als der bundesweite Ruf der Grünen.