31 May 2026, 12:17

Polyworking: Warum immer mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig brauchen

Polyworking

Polyworking: Warum immer mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig brauchen

Mehrere Jobs gleichzeitig – das sogenannte „Polyworking“ – ist für viele in der heutigen Wirtschaft zur Realität geworden. Was einst vor allem prekär Beschäftigte betraf, ist längst in der Mittelschicht angekommen, wo steigende Lebenshaltungskosten und sinkende Jobsecurity die Menschen zum Umdenken zwingen. Eine Umfrage des Instituts Academized aus dem Jahr 2025 zeigt: Jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren übt mittlerweile mindestens einen Nebenjob neben ihrer Hauptbeschäftigung aus.

Für eine Autorin bedeutet Polyworking, zwei Teilzeitstellen in der Redaktion mit gelegentlichen freiberuflichen Projekten unter einen Hut zu bringen. Im vergangenen Jahr hat sich ihr Arbeitspensum auf 50 bis 60 Stunden pro Woche ausgedehnt – mit wenig Raum für Erholung oder Privatleben. Schlafmangel macht sich bemerkbar, soziale Kontakte werden über hastige Sprachnachrichten und eine sogenannte „Aufhol-Kultur“ aufrechterhalten.

Die explodierenden Mieten verschärfen die Lage zusätzlich. In Deutschland haben sich die Wohnkosten im letzten Jahrzehnt fast verdoppelt, allein in Berlin stiegen sie um 69 Prozent. Der erste Teilzeitjob der Autorin deckte kaum die Miete, sodass eine Festanstellung – mit all ihrer eigenen Unsicherheit – finanziell unerreichbar blieb. Beide aktuellen Jobs basieren auf befristeten Verträgen, was die Angst vor Entlassungen zusätzlich schürt.

Der Arbeitsmarkt insgesamt spiegelt diesen Wandel wider. Seit 2020 sind die Ausschreibungen für Teilzeitstellen in Großstädten um fast 69 Prozent gestiegen. Viele Vollzeitjobs zahlen nach wie vor so wenig, dass sie kaum die grundlegenden Lebenshaltungskosten decken. In einem kapitalistischen System, in dem die Leistungsanforderungen steigen, während die Jobsecurity schwindet, ist Polyworking für viele längst keine Frage der Wahl mehr – sondern schlichtes Überlebensmittel.

Der Trend zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Bei stagnierenden Löhnen und weiter steigenden Lebenshaltungskosten wird die Zahl derer wachsen, die zusätzliche Jobs annehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Für viele bleibt die Realität vorerst geprägt von langen Arbeitszeiten, prekären Verträgen und dem ständigen Kampf, Beruf und Grundbedürfnisse des Alltags unter einen Hut zu bringen.

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