Schwarmkraftwerk im Rhein: 124 "Energyfish"-Turbinen revolutionieren die Stromgewinnung
Sylvio ThiesSchwarmkraftwerk im Rhein: 124 "Energyfish"-Turbinen revolutionieren die Stromgewinnung
Ein neuer Typ schwimmender hydrokinetischer Turbinen könnte bald das Bild am Rhein prägen. Das Unternehmen Energyminer installiert in St. Goar 124 „Energyfish“-Einheiten und schafft damit das erste großflächige Schwarmkraftwerk seiner Art. Jede Turbine nutzt die Strömung des Flusses – ganz ohne Staudämme oder aufwendige Baumaßnahmen.
Der „Energyfish“ ist eine kompakte Turbine mit den Maßen 2,8 Meter Länge, 2,4 Meter Breite und 1,4 Meter Höhe bei einem Gewicht von etwa 80 Kilogramm. Jede Einheit erreicht eine maximale Leistung von 6 Kilowatt und kann jährlich rund 15 Megawattstunden erzeugen. Ein Schwarm von 100 Turbinen könnte etwa 1,5 Gigawattstunden pro Jahr liefern.
Laut Energyminer lassen sich zehn Einheiten innerhalb von nur drei Tagen installieren, sobald die Genehmigung vorliegt. Da weder Beton noch Dämme benötigt werden, gestaltet sich die Montage schneller und weniger eingriffintensiv. Das Unternehmen betont zudem, dass die Turbinen rund um die Uhr bei jedem Wetter betrieben werden können, hochwasserresistent sind und Fische nicht gefährden.
Flüsse bergen jedoch Herausforderungen: saisonale Schwankungen der Wasserführung, Treibgut bei Hochwasser und geringere Leistung bei Niedrigwasser. Dennoch soll der „Energyfish“ diese Bedingungen effektiv meistern. Die gestützten Stromgestehungskosten werden auf etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde geschätzt, bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mindestens 8 Prozent über eine Laufzeit von 20 Jahren.
Ein kleineres Pilotprojekt läuft bereits am Auer Mühlbach in München, in der Nähe eines klassischen Wasserkraftwerks. Selbst mit 124 Einheiten wird das Rhein-Schwarmkraftwerk im Durchschnitt nur wenige hundert Kilowatt erzeugen – und nicht, wie große Anlagen, Dutzende Megawatt.
Die Installation in St. Goar markiert einen wichtigen Schritt für die schwimmende Hydrokinetik. Das Projekt soll die Machbarkeit von Schwarmkraftwerken in großen Flüssen demonstrieren. Bei Erfolg könnte es einen skalierbaren, umweltschonenden Weg aufzeigen, um aus fließendem Wasser erneuerbare Energie zu gewinnen.
