Warum deutsche Apotheken mit pharmazeutischen Dienstleistungen Verluste machen
Dora CichoriusWarum deutsche Apotheken mit pharmazeutischen Dienstleistungen Verluste machen
Eine neue Studie zeigt: Deutsche Apotheken haben Schwierigkeiten, mit vergüteten pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) Gewinne zu erzielen. Trotz steigender Nachfrage schreiben mehr als die Hälfte von ihnen bei zentralen Angeboten wie Bluthochdruck-Risikobewertungen rote Zahlen. Gleichzeitig bleiben 537 Millionen Euro, die für diese Leistungen vorgesehen sind, ungenutzt.
Das pDL-Programm wurde 2012 ins Leben gerufen, um das Apothekenangebot durch Digitalisierung und staatliche Förderung auszubauen. Die Inanspruchnahme stieg von 1,2 Millionen Leistungen im Jahr 2012 auf über 25 Millionen im Jahr 2024. Doch viele Apotheken geraten unter dem aktuellen System zunehmend unter finanziellen Druck.
Bei Bluthochdruck-Risikobewertungen, für die netto 11,20 Euro pro Leistung gezahlt werden, arbeiten mehr als die Hälfte der Apotheken mit Verlust. Die Studie bestätigt, dass die Vergütungssätze oft nicht einmal die Kosten decken – die Dienstleistungen sind damit auf Dauer nicht tragfähig. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) fordert seit Langem höhere pDL-Honorare, um die Wirtschaftlichkeit zu sichern.
Neben den Finanzierungsproblemen kämpfen Apotheken zudem mit Personalmangel und hohem Verwaltungsaufwand. Strenge räumliche Vorgaben und Spannungen mit anderen Gesundheitsberufen verschärfen die Lage. Die Studie warnt, dass eine Umwidmung der ungenutzten pDL-Mittel in den allgemeinen Apothekenhaushalt die langfristige Struktur des Programms untergraben könnte.
Die Ergebnisse verdeutlichen die Kluft zwischen dem Wachstum des pDL-Programms und seiner finanziellen Realität. Zwar verfügen Apotheken über das Fachwissen, um diese Leistungen anzubieten – doch zu niedrige Vergütungen und betriebliche Hürden schränken ihre Fähigkeit ein, sie gewinnbringend umzusetzen. Die Forderung des DAV nach angepassten Honoraren wird durch die Studie nun mit stärkeren Belegen untermauert.