01 February 2026, 04:40

Warum die Faschings-Saublodere jetzt mit Rinderblasen knallt

Eine 17. Jahrhundert Schwarz-Weiß-Radierung von Albrecht Dürer, die einen Mann zeigt, der Schweine in einem Dorf füttert, mit Häusern, Bäumen und einem Wagen im Hintergrund.

Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Warum die Faschings-Saublodere jetzt mit Rinderblasen knallt

Faschingsbräuche in Rottenburg und anderen Teilen Baden-Württembergs erleben einen Wandel der Traditionen. Die lauten, knallenden Lärmmacher namens Saublodere – einst aus Schweineblasen gefertigt – werden zunehmend aus Rinderblasen hergestellt. Der Wechsel erfolgt, weil die Zünfte nach haltbareren Materialien suchen, um den jahrhundertealten Brauch am Leben zu halten.

Die Saublodere ist seit langem ein fester Bestandteil der Faschingsumzüge. Hergestellt wird sie, indem eine Schweineblase mit Luft gefüllt wird; beim Aufschlagen auf den Boden erzeugt sie ein scharfes Knallen, das Zuschauer oft erschreckt. Die Blase symbolisiert Eitelkeit und Übermaß – passend zum ausgelassenen Geist der Faschingszeit.

Die Herstellung erfordert sorgfältige Handarbeit: Die Blase wird entleert, in Lake eingelegt, gereinigt und auf Fehler überprüft, bevor sie an einen Hagenschwanz gebunden wird – die Geschlechtsteile eines geschlachteten Stiers oder eine Kuhschwanz. Nur die robustesten Blasen werden ausgewählt, mit Druckluft aufgeblasen und so auf maximalen Lärm getrimmt.

Doch Schweineblasen werden immer schwerer zu beschaffen. Seit 2022 melden die Zünfte Engpässe, verursacht durch strengere Schlachthofvorschriften und Tierschutzbedenken. Bis 2026 hatten bereits rund zwölf Narrenzünfte (Faschingsgilden) in der Region auf Rinderblasen umgestellt. Diese sind größer, langlebiger und halten länger als Schweineblasen, die oft schon nach wenigen Umzügen verschlissen sind.

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Traditionell bezogen die Zünfte Schweineblasen von örtlichen Metzgern. Nun greifen viele zu Rinderblasen als praktische Alternative – und sorgen so dafür, dass die Saublodere-Tradition noch lange laut und lebendig durch die Faschingsstraßen hallt.

Der Wechsel zu Rinderblasen ist sowohl Notwendigkeit als auch Innovation. Angesichts der Knappheit an Schweineblasen haben sich die Zünfte angepasst, um das Knallen der Saublodere beim Fasching zu erhalten. Der Wandel zeigt auch, wie sich Bräuche weiterentwickeln, ohne ihren Kern zu verlieren.