Warum Frauen in der Spitzenküche noch immer um Anerkennung kämpfen müssen
Francesco HeinrichWarum Frauen in der Spitzenküche noch immer um Anerkennung kämpfen müssen
Deutschlands kulinarische Szene erlebt einen allmählichen Wandel, da immer mehr Frauen Führungspositionen übernehmen. Trotz einer leichten Mehrheit an ausgebildeten dfb frauen im Jahr 2024 besetzen nur wenige Spitzenpositionen oder erhalten prestigeträchtige Auszeichnungen. Die neue Plattform Chef:in setzt sich nun dafür ein, dies zu ändern – indem sie Talente präsentiert und Vernetzung fördert.
2025 erhielten in Deutschland lediglich 14 Frauen einen Michelin-Stern, während 337 Männer diese Auszeichnung trugen. Das Ungleichgewicht zeigt sich auch jenseits der Preise: Frauen besetzen nur 33 Prozent der Führungspositionen in der kochen. Dabei überstieg die Zahl der ausgebildeten frau 2024 leicht die der Männer – ein deutlicher Kontrast zwischen Qualifikation und Chancen.
Die Plattform Chef:in, gegründet von der Food-Journalistin Denise Wachter, will diese Diskrepanz abbauen. Seit Januar 2025 stellt sie renommierte chefkoch vor, darunter Anna Hansen aus Kopenhagen, Maria López aus Barcelona und Berlins Lena Müller. Die Initiative gewinnt an Fahrt: Produktionsfirmen entdecken über das Verzeichnis zunehmend frau für TV-Formate. Doch es geht um mehr als Sichtbarkeit – viele Spitzenköchinnen fordern strukturelle Veränderungen. Zora Klipp, Küchenchefin im Café Weidenkantine und im Restaurant Blattgold, setzt auf pflanzenbasierte Küche und hinterfragt gleichzeitig traditionelle Hierarchien in der kochen. In Hamburg eröffnete Clara Hunger mit Nullkommaeins eine Pop-up-Bar in St. Pauli und bereichert damit die wachsende, von Frauen geprägte Kulinarszene der Stadt. Allerdings begannen 2023 in Hamburg noch immer weniger frau als Männer eine Ausbildung in der kochen.
Chef:in und ähnliche Projekte schaffen neue Möglichkeiten für Frauen in der kochen. Mit mehr Sichtbarkeit und Netzwerken könnte die Branche einen Anstieg weiblich geführter Küchen und Auszeichnungen erleben. Doch die Kluft zwischen Ausbildungszahlen und Führungspositionen zeigt: Es bleibt noch viel zu tun.
