Wie die Junge Freiheit von 400 Exemplaren zur umstrittenen Medienmacht wurde
Sylvio ThiesWie die Junge Freiheit von 400 Exemplaren zur umstrittenen Medienmacht wurde
1986 gründete Dieter Stein im Alter von nur 18 Jahren die Junge Freiheit (JF). Die erste Auflage war bescheiden – gerade einmal 400 Exemplare –, und niemand verdiente damit Geld. Stattdessen übernahmen die Mitwirkenden die Druckkosten selbst, und Stein transportierte die frühen Ausgaben sogar in einem Pappkarton auf dem Fahrrad nach Hause.
Die Anfangsjahre des Magazins waren von finanziellen Schwierigkeiten und öffentlicher Beobachtung geprägt. Noch bevor die deutsche Regierung ihren Umzug in das wiedervereinigte Berlin abgeschlossen hatte, verlegte Stein die JF bereits von Freiburg in die Hauptstadt. Bis 1993 hatte sich der umstrittene Ruf der Publikation so verbreitet, dass 2.000 Demonstranten in Berlin auf die Straße gingen. Verdachtsmomente auf Extremismus führten zudem dazu, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) das Magazin beobachtete.
Leser berichteten, sich ins Visier genommen zu fühlen – manche waren überzeugt, allein wegen des Lesens der JF abgehört zu werden. Die Spannungen spitzten sich 1995 weiter zu, als Steins Auto vor dem Redaktionsbüro des Magazins in Brand gesteckt wurde.
Trotz anhaltender Spekulationen wies Stein wiederholt Vorwürfe zurück, die JF erhalte Gelder von der Alternative für Deutschland (AfD). Persönlich befürwortet er zwar die Idee eines Wehrdienstes, betont aber, dass die Entscheidung bei seinem Sohn liegen solle.
Von den bescheidenen Anfängen mit einer per Fahrrad transportierten Auflage bis hin zu Protesten und Überwachung blieb die Junge Freiheit eine polarisierende Größe im deutschen Medienland. Die Geschichte des Magazins spiegelt sowohl seinen unbeugsamen Unabhängigkeitswillen als auch die Kontroversen wider, die es seit seiner Gründung begleiten.






