AfD zerrissen: Machtkampf zwischen Russland-Freunden und NATO-Befürwortern eskaliert
Sylvio ThiesAfD zerrissen: Machtkampf zwischen Russland-Freunden und NATO-Befürwortern eskaliert
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik reißt die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) auseinander. Der Konflikt spaltet die Partei in einen westlich orientierten Flügel und eine russlandfreundliche Fraktion – und legt tiefe Gräben innerhalb der Bewegung offen. In jüngsten Auseinandersetzungen kam es zu öffentlichen Vorwürfen, unterdrückten Stellungnahmen und Warnungen vor den politischen Zukunftsaussichten der Partei.
Ausgelöst wurde die Kontroverse, als Björn Höcke, Chef des radikalen AfD-Flügels, in Debatten über die Wehrpflicht erklärte, Deutschland sei "nicht verteidigenswert". Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der Partei, distanzierte sich öffentlich von Höckes Äußerungen. Seitdem steht Lucassen unter Druck, zurückzutreten, und wirft Höckes prorussischer Gruppierung vor, ihn aus der Partei drängen zu wollen.
Lucassens Haltung steht in scharfem Kontrast zu Höckes Positionen. Er bezeichnet Russland als die größte Bedrohung für die NATO an ihrer Ostflanke und diskreditiert parteiinterne Moskau-Sympathisanten als "Putinisten". Seine klare Haltung hat ihn innerhalb der eigenen Reihen zum Ziel von Angriffen gemacht.
Auch das Verhältnis der AfD zu den USA ist zum Zankapfel geworden. Eine Gruppe um den Sicherheitsexperten Hannes Gnauck verfasste eine Pressemitteilung, die in der Iran-Krise die USA unterstützte – doch die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla verhinderten deren Veröffentlichung. Gleichzeitig fordert ein anderer Flügel den Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland und vertieft so die inneren Spannungen.
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah geriet öffentlich mit Chrupalla aneinander und argumentierte, Deutschland brauche "starke Partner". Mit historischen Vergleichen untermauerte er seine Position und warnte, die Haltung der Partei zu Migration und der Ablehnung des US-Bündnisses könnten ihre Regierungsfähigkeit bis 2029 zerstören.
Der Wandel der AfD von antiamerikanischer Rhetorik hin zu einer Annäherung an die Politik der Trump-Ära hat die Lage zusätzlich verkompliziert. Stand die Partei einst der USA kritisch gegenüber, pflegt sie heute Kontakte zu rechtsextremen Netzwerken in den USA und lehnt "Woke"-Ideologie ab. Dennoch tut sich die Führung schwer damit, sich von umstrittenen Figuren wie Martin Sellner zu distanzieren, dessen "Remigrations"-Pläne als verfassungswidrig eingestuft wurden.
Krah argumentiert, die radikalen Positionen der AfD hätten den cordon sanitaire – die politische Ächtung durch andere Parteien – noch verstärkt. Die internen Machtkämpfe gefährden nun den Zusammenhalt der Partei im Vorfeld künftiger Wahlen.
Der außenpolitische Richtungsstreit der AfD zeigt keine Anzeichen einer Beilegung. Lucassen bleibt unter Beschuss, während Krahs Warnungen die Risiken einer Isolation von potenziellen Bündnispartnern unterstreichen. Angesichts der zersplitterten Führung steht die Fähigkeit der Partei, bis 2029 geschlossen aufzutreten, auf dem Spiel.






