Berliner Ausbildungsabgabe ab 2028: Warum Startups gegen die neue Regel protestieren
Sylvio ThiesBerliner Ausbildungsabgabe ab 2028: Warum Startups gegen die neue Regel protestieren
Berlin führt eine neue Ausbildungsabgabe ein, die Unternehmen bestraft, die ihre Ausbildungsquoten nicht erfüllen. Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten mindestens 4,6 Prozent ihrer Belegschaft ausbilden – andernfalls drohen finanzielle Konsequenzen. Die Maßnahme stößt bei Startups und Wirtschaftsführern in der Stadt auf Kritik.
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat das Gesetz verabschiedet, das sich vor allem an Firmen richtet, deren Ausbildungsquoten unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Wer die Vorgaben nicht einhält, muss in einen zentralen Fonds einzahlen, aus dem jährlich voraussichtlich rund 75 Millionen Euro generiert werden sollen. Die Zahlungen beginnen 2028 und basieren auf den für 2027 vorzulegenden Daten.
Viele Startups argumentieren, die Abgabe ignoriere die Realität moderner Unternehmen. Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, nannte sie "noch ein weiteres falsches Signal" aus Berlin und betonte, sein Unternehmen setze auf Automatisierung und digitales Lernen statt auf klassische Ausbildungsplätze. Agnieszka Walorska vom Fintech-Unternehmen Mika verwies auf ein tieferliegendes Problem: das sinkende Interesse junger Menschen an Ausbildungen, nicht mangelnde Bereitschaft der Arbeitgeber.
Andere Gründer teilten diese Bedenken. Moritz Kreppel von Urban Sports Club warf der Stadt vor, sie "bestrafe, was sie nicht versteht" – sein Unternehmen und ähnliche Startups hätten schlicht keine passenden Ausbildungsberufe. Marius Meiners von Peec AI bezeichnete die Einstellung von Azubis als "undurchführbar", da sein Team stark ausgelastet sei und hochspezialisiert arbeite. Das Unternehmen erklärte zwar, notfalls die Strafe zu zahlen, warnte jedoch, solche Regelungen machten Deutschland als Standort weniger attraktiv.
Kritiker wiesen zudem darauf hin, dass die Abgabe Unternehmen unrechtmäßig belasten könnte, die schlicht keine sinnvollen Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Tech-Startups oder Nischenanbieter müssten möglicherweise zahlen, nur weil ihre Geschäftsmodelle nicht zu klassischen Ausbildungsstrukturen passen.
Die Ausbildungsabgabe tritt 2028 in Kraft, wobei nicht konforme Unternehmen einen jährlichen Topf von 75 Millionen Euro speisen werden. Zwar zielt die Regelung darauf ab, die Ausbildung zu stärken – betroffene Firmen werfen ihr jedoch vor, moderne Arbeitswelten und strukturelle Herausforderungen zu ignorieren. Die Debatte spiegelt die Spannung zwischen regulatorischen Zielen und den praktischen Bedürfnissen wachsender Unternehmen wider.






