EMAF-Festival in Osnabrück löst Debatte um palästinensische Künstlerin aus
Leila BlochEMAF-Festival in Osnabrück löst Debatte um palästinensische Künstlerin aus
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour, die unter dem Künstlernamen Al-Sharif bekannt ist, eine Debatte ausgelöst. Obwohl ihr Werk wie geplant gezeigt wird, haben sich politische Vertreter Niedersachsens öffentlich von der Veranstaltung distanziert. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen weniger der Film selbst als vielmehr frühere Äußerungen Al-Sharifs und ihre angeblichen Verbindungen zur BDS-Bewegung.
Die Entscheidung des Festivals, Al-Sharifs Film "Morning Circle" zu präsentieren, stieß bei Osnabrücker Stadtvertretern und Ministerpräsident Olaf Lies auf Kritik. Beide betonten, sie unterstützten die Teilnahme der Künstlerin nicht, und verwiesen auf Bedenken wegen möglicher antisemitischer Untertöne in ihren öffentlichen Stellungnahmen. Gleichzeitig unterstrich die Landesregierung, sie achte die künstlerische Unabhängigkeit des Festivals, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab.
Das EMAF, das in diesem Jahr unter dem Motto "An Incomplete Assembly" (Eine unvollständige Versammlung) steht, hat eine Tradition darin, palästinensische Künstlerinnen und Künstler neben jüdischen und israelischen Perspektiven zu Wort kommen zu lassen. Die Veranstalter halten daran fest, dass das Programm den Dialog über künstlerische Freiheit und Verantwortung fördere. Trotz des politischen Gegenwinds bleiben die Fördergelder für das Festival unverändert.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt Al-Sharifs Aktivität in sozialen Medien, darunter ein Halloween-Foto mit einem roten Dreieck, das auf mehrdeutige Weise interpretiert wurde. Kritiker werfen ihr vor, die BDS-Bewegung zu unterstützen, die zu Boykotten gegen Israel wegen dessen Politik in den palästinensischen Gebieten aufruft. Die Bewegung, die sich an antiapartheidbezogenen Kampagnen orientiert, sieht sich selbst mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert und ist in einigen deutschen Einrichtungen verboten.
Der Osnabrücker Kulturdezernent gab zu, man hätte es bevorzugt, wenn das Festival auf Al-Sharifs Werk verzichtet hätte. Das EMAF jedoch bleibt bei seiner Programmwahl und stellt sie als Teil einer größeren Debatte über die Rolle der Kunst in politischen Diskursen dar.
Die Vorführung von "Morning Circle" wird wie geplant stattfinden, doch die Kontroverse hat die Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck und politischen Sensibilitäten deutlich gemacht. Zwar sind die Fördermittel für das EMAF gesichert, doch die Diskussion zeigt die anhaltenden Gräben auf, die die BDS-Bewegung und ihr Platz im kulturellen Raum spalten. Die Verantwortlichen bekräftigten ihre Ablehnung von Antisemitismus, greifen jedoch nicht in die Entscheidungen des Festivals ein.






