Europas Weg zu sauberem Graphit: Neues Projekt revolutioniert Batterieproduktion
Francesco HeinrichEuropas Weg zu sauberem Graphit: Neues Projekt revolutioniert Batterieproduktion
Neues europäisches Projekt erforscht umweltfreundliche Graphitproduktion für Batterien
Ein neues europäisches Vorhaben sucht nach Wegen, Graphit für Batterien ohne gefährliche Chemikalien oder hohen Energieverbrauch herzustellen. Die Initiative mit dem Namen USE-G vereint mehrere deutsche Partner, um ein saubereres, lokal gesteuertes Verfahren für die Graphitproduktion zu entwickeln. Mit einem Budget von 1,7 Millionen Euro zielt das Projekt darauf ab, Europas Abhängigkeit von importiertem Graphit zu verringern und gleichzeitig die Nachhaltigkeit zu verbessern.
Im Rahmen von USE-G stehen zwei Hauptquellen für Graphit im Fokus: natürliche Vorkommen und recycelte Materialien. Das Unternehmen Northern Graphite stellt natürliches Graphit bereit und übernimmt an seinem deutschen Standort die Aufgaben des Mahlens, Formens sowie die Batterietests. Parallel dazu gewinnt die H.C. Starck Tungsten GmbH Graphit aus der sogenannten "Black Mass" – den Rückständen aus dem Batterierecycling –, um es wieder in die Produktion einzuführen.
In der ersten Phase werden natürliches und recyceltes Graphit getrennt verarbeitet. Dieser Schritt dient dazu, Referenzwerte für Reinheit und Leistung zu ermitteln, bevor getestet wird, ob sich beide Materialien zu einem einzigen Anodenwerkstoff kombinieren lassen. Zudem trägt die Rain Carbon Germany GmbH zum Projekt bei, indem sie nachhaltigere Kohlenstoffbeschichtungen entwickelt, um die elektrochemische Leistung von Graphitanoden zu steigern.
Ein zentraler Bestandteil des Vorhabens ist die Aufreinigung. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena, geleitet von Dr. Martin Oschatz, erforscht ein chlorbasiertes Verfahren bei hohen Temperaturen. Diese Methode könnte Fluorwasserstoffsäure ersetzen – eine gefährliche Chemikalie, die bisher häufig in der Graphitverarbeitung eingesetzt wird. Sämtliche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten finden in den deutschen Einrichtungen der Projektpartner statt.
Das Projekt startet zu einer Zeit, in der China nach wie vor der weltweit dominierende Produzent von Graphit für Lithium-Ionen-Batterien ist und sowohl den Abbau als auch die Verarbeitung kontrolliert. Europa hingegen hat sich bisher stärker auf den Verbrauch als auf die Produktion konzentriert, was Initiativen wie USE-G zu einem entscheidenden Baustein für den Aufbau einer eigenständigen Lieferkette macht.
Finanziert wird das USE-G-Projekt vor allem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Bei Erfolg könnte es einen in Europa kontrollierten Graphit-Herstellungsprozess etablieren, der auf giftige Chemikalien verzichtet und den Energieverbrauch senkt. Die Ergebnisse könnten zudem dazu beitragen, eine nachhaltigere Lieferkette für die Batterieproduktion auf dem gesamten Kontinent aufzubauen.






