Industrie warnt vor Reformstau – Hannover Messe 2026 wird zur Zäsur
Francesco HeinrichIndustrie warnt vor Reformstau – Hannover Messe 2026 wird zur Zäsur
Deutsche Industrieführer drängen Regierung zu grundlegenden Reformen auf der Hannover Messe 2026
Nach einer kurzen Phase der Erholung ist die Stimmung in der Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2026 erneut eingebrochen. Spitzenmanager warnen nun, dass weitere Verzögerungen bei dringend notwendigen Reformen den Schlüsselsektoren wie dem Maschinenbau und der Elektroindustrie nachhaltigen Schaden zufügen könnten.
Monatelang hatte sich die Lage der Hersteller langsam verbessert, und gegen Ende 2025 kehrte vorsichtiger Optimismus ein. Doch das erste Quartal 2026 brachte einen erneuten Rückschlag: Steigende Risiken – von globaler Instabilität bis hin zu unsicherer Innenpolitik – machten die zuvor erzielten Fortschritte zunichte.
Auf der Messe kritisierte Bertram Kawlath, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), die bisherige Politik der Regierung scharf. Flickwerk reiche nicht mehr aus, betonte er, und forderte umfassende Veränderungen. Zu seinen zentralen Forderungen zählen niedrigere Unternehmenssteuern, eine Deckelung der Sozialabgaben sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle. Zudem sprach er sich für eine Anhebung des Renteneintrittsalters aus, um den Fachkräftemangel zu entschärfen.
Gunther Kegel, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), schloss sich dieser Kritik an. Die seit Langem überfälligen Reformen müssten endlich umgesetzt werden, forderte er. Die eigene Prognose des ZVEI für 2026 hängt dabei maßgeblich von der globalen Stabilität ab: Die Produktion könnte um zwei Prozent wachsen – allerdings nur, wenn sich die Spannungen im Iran bis Mitte des Jahres abschwächen.
Trotz der düsteren Aussichten gibt es einen möglichen Lichtblick: Die Branche setzt auf einen Boom bei den Verteidigungsausgaben, mit Investitionen in Milliardenhöhe in den kommenden Jahren. Zwar stellen Maschinenbauer keine Waffen her, doch sie liefern entscheidende Komponenten. Sollten die Pläne wie vorgesehen umgesetzt werden, könnte sich der Umsatz mit verteidigungsrelevanten Produkten innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln.
Kawlath warnte jedoch in drastischen Worten: Ohne entschlossenes Handeln drohten dem deutschen Industriestandort bleibende Schäden. Die VDMA-Prognose für 2026 fällt entsprechend verhalten aus – mit einem erwarteten Wachstum von nur einem Prozent im Maschinen- und Anlagenbau.
Die Forderungen nach Reformen kommen zu einer Zeit, in der die Hersteller sowohl mit kurzfristigen Rückschlägen als auch mit langfristigen Bedrohungen konfrontiert sind. Zwar könnten Rüstungsaufträge vorübergehend Entlastung bringen, doch die Branchenführer betonen: Die strukturellen Veränderungen sind längst überfällig. Ohne sie könnte selbst eine bescheidene Erholung in weite Ferne rücken.






