Krankenkassen-Reform: Höhere Zuzahlungen und Ende der Familienversicherung geplant
Sylvio ThiesKrankenkassen-Reform: Höhere Zuzahlungen und Ende der Familienversicherung geplant
Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission hat umstrittene Pläne zur Stabilisierung des deutschen gesetzlichen Krankenversicherungssystems vorgelegt. Die Vorschläge umfassen deutliche Erhöhungen der Zuzahlungen für Medikamente, Hilfsmittel und Krankenhausaufenthalte – verbunden mit Kürzungen beim Krankengeld. Kritiker warnen, dass die Änderungen einkommensschwache Haushalte besonders hart treffen würden, da die beitragsfreie Familienversicherung abgeschafft und verpflichtende Mindestbeiträge eingeführt werden sollen.
Die sogenannte Greiner-Kommission legte keine festen Prozentsätze für die Zuzahlungen fest, empfahl jedoch erhebliche Steigerungen in mehreren Bereichen, darunter Arzneimittel, medizinische Hilfsmittel und stationäre Behandlungen. Das Krankengeld soll zudem von 70 auf 65 Prozent des Lohns sinken. Eine der umstrittensten Maßnahmen ist die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Familienangehörigen, die es derzeit nicht erwerbstätigen oder geringverdienenden Partnern ermöglicht, ohne zusätzliche Kosten mitversichert zu sein. Nach den neuen Regeln müssten diese Personen eigenständige Mindestbeiträge zahlen, was die finanzielle Belastung für Haushalte mit geringem Einkommen weiter erhöhen würde.
Die Linke lehnt die Pläne entschieden ab. Sören Pellmann, fraktionsvorsitzender Bundestagsabgeordneter der Partei, bezeichnete sie als ein "Sparpaket für Versicherte" und warnte, dass viele Menschen "viele bittere Pillen" schlucken müssten. Er kritisierte die bestehende Ungerechtigkeit im System, bei dem Gutverdiener im Verhältnis zu ihrem Einkommen weniger beitragen als Durchschnittsverdiener. Zudem prangerte Pellmann an, dass Vermieter und Großinvestoren trotz des Nutzens einer stabilen Arbeitskraft nichts zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung beitragen.
Die Linke fordert stattdessen einen grundlegend anderen Ansatz: Die Finanzierung des Systems solle auf "solide Beine" gestellt werden, indem die Wohlhabendsten stärker zur Kasse gebeten werden. Im Mittelpunkt steht die Forderung, dass "diejenigen mit den breitesten Schultern endlich ihren fairen Anteil" in die Krankenkassen einzahlen.
Die Empfehlungen der Kommission würden die Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems grundlegend verändern. Falls umgesetzt, würden höhere Zuzahlungen und das Ende der beitragsfreien Familienversicherung die Kosten auf die Versicherten abwälzen – insbesondere auf einkommensschwächere Gruppen. Gleichzeitig dürften die Forderungen, dass vermögende Bevölkerungsgruppen und Immobilieninvestoren stärker zur Finanzierung beitragen, die Debatte über eine gerechte Verteilung der Lasten weiter anheizen.






