Mainz wird grün – aber nicht durch Bäume, sondern durch Farbe und EU-Gelder
Dora CichoriusMainz wird grün – aber nicht durch Bäume, sondern durch Farbe und EU-Gelder
Mainz gibt Pläne für klassische Grünflächen auf und setzt auf radikale Neuausrichtung
Die Stadt startet noch vor Jahresende ein ehrgeiziges Projekt: Tausende Gebäude sollen grün gestrichen werden. Die Initiative wird durch ein kürzlich bewilligtes EU-Förderprogramm mit erheblichen Zuschüssen unterstützt.
Jahre lang diskutierte Mainz über Maßnahmen, um die Stadt grüner zu gestalten – doch der Fortschritt blieb zäh. Statt Bäume zu pflanzen oder Parks auszuweiten, haben sich die Verantwortlichen nun für ein flächendeckendes Anstrichprogramm entschieden. Als Erste erhalten Gebäude rund um den Mainzer Markt, im Stadtteil Neustadt und am Staatstheater einen frischen grünen Anstrich.
Doch die Initiative beschränkt sich nicht auf die Architektur: Die Mainzer Polizei kehrt zu grünen Uniformen zurück, und auch der lokale Fußballverein, der 1. FSV Mainz 05, wird künftig in grünen Trikots auflaufen. Die Gesamtkosten des Projekts werden bis Ende des Jahres auf rund 10 Millionen Euro geschätzt.
Bei Neubauten in der Stadt sollen dem Vernehmen nach grüne Fassaden verpflichtend werden. Allerdings sind nicht alle historischen Stätten Teil des Vorhabens: Während der Leichhof-Friedhof umgestaltet wird, steht noch nicht fest, ob der Mainzer Dom folgt. Einige jüngere Bauprojekte waren bereits wegen ihrer kargen, ungemütlichen Neugestaltung in die Kritik geraten.
Während Mainz mit seinem farbzentrierten Konzept voranschreitet, setzen andere deutsche Städte auf unterschiedliche Ansätze. Düsseldorf führt seit 2016 das DAFIB-Programm durch, Köln hat die Initiative GRÜN hoch 3, und Leipzigs Projekt BlauGrün wird mit Bundesforschungsgeldern gefördert. Auch Saarbrücken integrierte grüne Fassaden in sein MKK-Forum. Die meisten dieser Projekte sind jedoch umfassende Nachhaltigkeitsstrategien – und keine rein farblichen EU-geförderten Umgestaltungen.
Das Anstrichprogramm markiert einen Kurswechsel in der Mainzer Umweltpolitik. Mit Unterstützung der EU will die Stadt ihr städtisches Erscheinungsbild bis Jahresende grundlegend verändern. Die Maßnahme bringt zudem Änderungen bei Uniformen und Sportkleidung mit sich – und festigt so die neue grüne Identität.






