Syriens Übergangspräsident in Berlin: Wiederaufbauhilfe und Forderungen nach Demokratie
Francesco HeinrichSyriens Übergangspräsident in Berlin: Wiederaufbauhilfe und Forderungen nach Demokratie
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ist zu einem offiziellen Besuch in Berlin eingetroffen. Die Reise erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland seine Unterstützung für den Wiederaufbau Syriens mit einem im Frühjahr 2025 gestarteten Hilfsprogramm in Höhe von 119 Millionen Euro ausbaut. Gleichzeitig fordern zivilgesellschaftliche Gruppen stärkere demokratische Reformen und eine größere Einbindung der lokalen Bevölkerung in den Wiederaufbauprozess.
Die deutsche Entwicklungsbank KfW finanziert eine Initiative über 119 Millionen Euro zum Wiederaufbau syrischer Märkte, Produktionsstätten und Krankenhäuser. Das Programm umfasst zudem eine gemeinsame Taskforce mit der Regierung al-Scharaas sowie den Einsatz der Technischen Hilfswerks (THW), um die Katastrophenhilfe zu verbessern. Lokale Gemeinschaften und zivilgesellschaftliche Akteure werden durch Partnerschaften mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), die Schaffung von Arbeitsplätzen in Wiederaufbauprojekten und die Einbindung der syrischen Diaspora einbezogen.
Die zivilgesellschaftliche Organisation Adopt a Revolution, die seit 2011 in Syrien aktiv ist, begrüßte zwar al-Scharaas Besuch, stellte jedoch klare Forderungen. Die Co-Vorsitzende Sophie Bischoff bezeichnete die Einladung als "richtigen Schritt", betonte aber die Notwendigkeit demokratiefördernder Auflagen. Gleichzeitig warnte sie vor wachsenden autoritären Tendenzen in der syrischen Übergangsregierung – trotz des Zusammenbruchs des Assad-Regimes im Dezember 2024.
Die Organisation kritisierte zudem Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, die deutsche Unterstützung an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen zu knüpfen. Stattdessen forderten sie die Bundesregierung auf, die Übergangsverwaltung in Richtung demokratischer Institutionen zu drängen und die Zivilgesellschaft als politischen Partner formal anzuerkennen. Bischoff verlangte darüber hinaus stärkere rechtliche Schutzmechanismen für Syrer in Deutschland, die in ihr Heimatland reisen.
Der Besuch markiert einen entscheidenden Moment im post-Assad-Übergang Syriens. Während Deutschlands finanzielle und technische Hilfe darauf abzielt, das Land zu stabilisieren, drängen zivilgesellschaftliche Gruppen auf demokratische Reformen und eine größere Teilhabe der lokalen Bevölkerung. Die Ergebnisse dieser Gespräche könnten die politische und wirtschaftliche Zukunft Syriens prägen.






