Tarifstreit in Chemie- und Pharmabranche: Verhandlungen nach zwei Tagen gescheitert
Leila BlochTarifstreit in Chemie- und Pharmabranche: Verhandlungen nach zwei Tagen gescheitert
Tarifverhandlungen für Deutschlands Chemie- und Pharmaindustrie nach nur zwei Tagen unterbrochen
Arbeitgeber und Gewerkschaften bleiben in der Frage gespalten, wie mit dem deutlichen Rückgang der Branche umgegangen werden soll. Die Gespräche werden Ende dieses Monats in Wiesbaden fortgesetzt und betreffen 1.700 Unternehmen mit 585.000 Beschäftigten.
Die chemische Industrie in Deutschland verzeichnet seit Jahren einen Rückgang der Produktion. Seit 2018 ist die Herstellung reiner Chemikalien um 17 Prozent gesunken, in der Pharmabranche eingeschlossen um 16 Prozent. Trotz eines leichten Anstiegs von 2 Prozent im Jahr 2024 liegen die Werte weiterhin deutlich unter denen von vor 2018 – aktuell werden nur 75 Prozent der Kapazitäten genutzt. Ein Viertel der Anlagen steht mittlerweile still.
Branche am Scheideweg
Matthias Bürk, Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands BAVC, warnte, die Branche stehe "am Abgrund". Er verwies auf einen Produktionsrückgang von 20 Prozent seit 2018 und betonte, ohne sofortiges Handeln werde sich die Lage weiter verschärfen. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) fordert hingegen verbindliche Tarifverträge zum Schutz der Arbeitsplätze.
Bürk lehnte pauschale Beschäftigungsgarantien über Lohnabschlüsse ab. Stattdessen argumentierte er, nur durch die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit ließen sich Jobs langfristig sichern. Er plädierte für eine vorübergehende Aussetzung von Lohnerhöhungen, um den Unternehmen Spielraum für eine Erholung zu geben. Die Gewerkschaft besteht darauf, dass die Last der Krise nicht allein auf den Schultern der Beschäftigten liegen dürfe.
Europas Chemieindustrie in der Krise
Auch der europäische Chemiesektor leidet seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 unter den Folgen. Länder wie Polen verzeichnen bis 2025 ein Produktionsniveau unter dem von 2022, mit Werksschließungen wie der Soda-Anlage von Qemetica in Janikowo. Drei Jahre in Folge sanken die Umsätze – die Krise vertieft sich weiter.
Die Verhandlungen werden am 23. und 24. Februar in Wiesbaden wiederaufgenommen. Das Ergebnis wird die Lohnpolitik für fast 600.000 Beschäftigte in 1.700 Betrieben prägen. Beide Seiten sind sich einig: Die Zukunft der Branche hängt davon ab, Arbeitsplatzsicherheit und wirtschaftliche Erholung in Einklang zu bringen.






