Tausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Übergriffe
Dora CichoriusTausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und digitale Übergriffe
Tausende gingen am Wochenende in Köln und Bonn auf die Straße, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren. Trotz Kälte und Regen demonstrierten am Samstag in Köln mehr als 5.000 Menschen, am folgenden Tag schlossen sich in Bonn Hunderte an. Die Proteste stehen im Kontext wachsender öffentlicher Empörung über digitale Gewalt und Forderungen nach strengeren gesetzlichen Schutzmaßnahmen.
Die Bonner Kundgebung wurde von einem Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt. Über 500 Menschen versammelten sich vor dem Alten Rathaus am Marktplatz und hielten Schilder mit Aufschriften wie "Girls just wanna be safe" – eine Anspielung auf Cindy Laupers "Girls Just Wanna Have Fun". Jede Rednerin und jeder Redner bei der Veranstaltung forderte Männer auf, Verantwortung zu übernehmen und frauenfeindliche Einstellungen zu hinterfragen.
Die Demonstrationen folgen einer Untersuchung des "Spiegel" aus dem Jahr 2023 zu digitaler Gewalt gegen Frauen, die an Fahrt aufnahm, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, öffentlich der Misshandlung bezichtigt hatte. Als Reaktion kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) im März 2026 Pläne an, die Erstellung und Verbreitung von nicht einvernehmlich erstellter Deepfake-Pornografie unter Strafe zu stellen. Der Schritt entspricht EU-Richtlinien, die von den Mitgliedstaaten die Umsetzung solcher Gesetze bis Juni 2027 verlangen.
Beim Kölner Protest forderten CDU-Politikerinnen aus der Frauen-Union der Partei strengere Schutzmaßnahmen, stießen damit jedoch auf verhaltene Resonanz in der Menge. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für gesetzliche Reformen zum Schutz von Frauen einzusetzen.
Die Proteste unterstreichen die anhaltenden Forderungen nach rechtlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland. Während bis 2027 neue Gesetze gegen Deepfake-Missbrauch erwartet werden, drängen Aktivistinnen und Aktivisten weiter auf umfassendere Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt. Die Demonstrationen am Wochenende zeigen: Der öffentliche Druck bleibt hoch.






