Vom kasachischen Dorf zum deutschen Meister: Das außergewöhnliche Leben des Victor Neufeld
Sylvio ThiesVom kasachischen Dorf zum deutschen Meister: Das außergewöhnliche Leben des Victor Neufeld
Victor Neufeld kam vor über drei Jahrzehnten als kleiner Junge aus Kasachstan nach Deutschland. Heute ist er verbeamteter Grundschullehrer und Gewichtheber-Champion – ein Leben, das von einem Dorf in der kasachischen Steppe bis in den Südwesten Deutschlands führt. Seine Geschichte verbindet deutsche Wurzeln mit russisch-kasachischer Herkunft und prägt sowohl seine Identität als auch seine Erfolge.
Geboren im Dorf Komsomolez – heute Karabalyk – in der Region Kostanai in Kasachstan, stammt Neufeld aus einer deutschstämmigen Familie. Anfang der 1990er-Jahre beschloss die Familie, nach Deutschland auszuwandern, um neu anzufangen. Am 6. Juni 1991 traf er mit der Familie seines Vaters im Land ein; zwei Jahre später folgten die Verwandten seiner Mutter.
Nach Aufenthalten in verschiedenen Aufnahmeeinrichtungen ließ sich die Familie schließlich in Nordrhein-Westfalen nieder, wo auch nahe Angehörige in Dortmund-Nette lebten. Neufelds Leidenschaft für das Gewichtheben begann früh: Schon mit sechs Jahren führte ihn sein Vater an den Sport heran. 1998 startete er seine professionelle Karriere als Gewichtheber, die er bis 2016 fortsetzte. In dieser Zeit wurde er mehrfacher Deutscher Meister und gewann eine Silbermedaille bei den Junioren-Europameisterschaften.
Heute lebt Neufeld mit seiner Frau und zwei Kindern in Eberbach-Pleutersbach. Als verbeamteter Grundschullehrer arbeitet er im Schuldienst und ist weiterhin sportlich aktiv – aktuell hält er den deutschen Meistertitel in der Altersklasse "Masters" für Männer zwischen 40 und 45 Jahren. Obwohl er längst im deutschen Alltag angekommen ist, blickt er gelegentlich mit Wehmut auf Kasachstan zurück: die Einfachheit des Dorflebens, die weiten Naturlandschaften und die enge Gemeinschaft, die er einst zurückließ.
Neufelds Leben verbindet heute zwei Welten: eine deutsche Gegenwart und eine kasachische Vergangenheit. Seine Erfolge in Bildung und Sport zeugen von einer gelungenen Integration, während seine Erinnerungen seine Herkunft lebendig halten. Für ihn ist Identität keine Frage der Entscheidung zwischen Kulturen, sondern eine Bereicherung durch beide.






