Eis an Windrädern: Warum Deutschlands Winterstrom im Kältestau steckt
Eis an Windrädern: Warum Deutschlands Winterstrom im Kältestau steckt
Deutschlands Windenergiebranche kämpft mit einem hartnäckigen Winterproblem: Eisansatz an den Rotorblättern. Wenn die Temperaturen sinken, stören gefrorene Schichten die Stromerzeugung und zwingen zu Abschaltungen – die Leistung kann dabei um bis zu 30 Prozent einbrechen. Nun testen Forscher und Ingenieure neue Lösungen, um die Anlagen auch bei Kälte sicher in Betrieb zu halten.
Eisablagerungen an den Rotorblättern verursachen zwei zentrale Probleme: Zum einen führt eine ungleichmäßige Eisverteilung zu Unwuchten, die die Struktur belasten und durch herabfallende Eisteile die Umgebung gefährden können. Zum anderen müssen die Turbinen oft komplett abgeschaltet werden – ausgerechnet in der Zeit, in der der Strombedarf im Winter am höchsten ist.
Aktuell nutzen etwa 1.200 bis 1.500 der rund 30.000 Windkraftanlagen in Bundesländern – vor allem in norddeutschen Regionen wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein – elektrothermische Heizsysteme, um Vereisungen zu verhindern. Diese erhöhen die Winterproduktion um 10 bis 30 Prozent, indem sie die Blätter eisfrei halten. Allerdings verbrauchen sie dabei auch Energie, die sonst ins Netz eingespeist werden könnte.
An der Technischen Universität Braunschweig erforschen Wissenschaftler im Rahmen des Projekts "MicroIce" alternative Ansätze. Im Fokus stehen dabei lotusblumenartige Beschichtungen, die in ersten Tests zeigen, dass sie die Eisentstehung beeinflussen und die Haftung von Eis auf Oberflächen verringern können. Um die Lösungen zu optimieren, nutzt das Team den Braunschweiger Vereisungswindkanal – eine Anlage, die reale Wolkenbedingungen simuliert, um das Verhalten von Eis auf Turbinenmaterialien zu untersuchen.
Beheizte Rotorblätter bleiben zwar die gängigste Lösung gegen Vereisung, doch die Energiekosten und Effizienzverluste treiben die Suche nach besseren Methoden voran. Sollten sich die Lotuseffekt-Beschichtungen in weiteren Tests bewähren, könnten sie eine passive Möglichkeit bieten, Eisansatz zu reduzieren – ohne zusätzlichen Stromverbrauch. Bis dahin bleibt es für Deutschlands Windparks eine zentrale Herausforderung, Winterzuverlässigkeit und Energieertrag in Einklang zu bringen.
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