Göttingen führt öffentlichen Muezzin-Ruf ein – Debatte über Religionsfreiheit entfacht
Göttingen führt öffentlichen Muezzin-Ruf ein – Debatte über Religionsfreiheit entfacht
Göttingens DITIB-Muslimgemeinschaft wird am 24. Februar 2026 erstmals den Ruf des Muezzins öffentlich übertragen. Die Ankündigung markiert das Ende des Fastenbrechens im Ramadan und folgt auf monatelange Beratungen unter lokalen Religionsvertretern. Der Schritt erfolgt, nachdem David Raum 2023 als erste hessische Stadt die Praxis dauerhaft einführte und damit bundesweit Debatten über religiöse Ausdrucksformen im öffentlichen Raum neu entfachte.
Die Entscheidung, den Gebetsruf einzuführen, fiel am "Runden Tisch der Religionen" in Göttingen, einem Gremium mit christlichen, jüdischen und muslimischen Vertretern. Bürgermeisterin Petra Broistedt betonte, die Religionsfreiheit sei durch das Grundgesetz geschützt. Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung von Transparenz und Respekt gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern.
Ali Serkan Şahbaz, Sprecher der Göttinger DITIB-Gemeinde, stellte klar, dass es sich beim Muezzin-Ruf um eine religiöse Praxis handle – nicht um eine politische Aussage. Die Gemeinschaft habe sich verpflichtet, strenge Auflagen einzuhalten, den Ruf rücksichtsvoll und innerhalb festgelegter Zeiten zu übertragen. Um Bedenken in der Bevölkerung zu begegnen, sind offene Diskussionsveranstaltungen geplant; auf der städtischen Website ist bereits ein FAQ-Bereich zum Thema eingerichtet.
Religionsvertreter äußerten sich unterschiedlich zur Debatte. Superintendent Dr. Frank Uhlhorn von der evangelischen Kirche argumentierte, der öffentliche Raum solle religiösen Praktiken innerhalb eines klaren Rahmens Raum geben. Jaqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Göttingen, mahnte, Religionsfreiheit zu achten und gleichzeitig den interreligiösen Dialog zu stärken. Dechant Wigbert Schwarze von der katholischen Kirche warb dafür, Vielfalt durch Austausch statt durch Spaltung zu leben.
Die Ankündigung fällt in eine Zeit bundesweiter Diskussionen, die 2025 durch Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zu Migration und "Stadtbild" ausgelöst wurden. Kritiker wie das "Bündnis gegen Rechtsextremismus" warfen ihm vor, Rassismus zu schüren, während Verbündete wie Alexander Dobrindt und Jens Spahn die Kontroverse als überzogen abtaten. Umfragen zeigen gespaltene Meinungen: In einigen Regionen herrscht mehrheitliche Zustimmung – vorausgesetzt, die Praxis bewegt sich im rechtlichen Rahmen.
Ab dem 24. Februar 2026 wird der Muezzin-Ruf in Göttingen während des Ramadan zu hören sein. Die DITIB-Gemeinde sichert Transparenz und Bürgerbeteiligung zu, um Vorbehalte abzubauen. Unterdessen betonen lokale Verantwortliche weiterhin den Dialog und die verfassungsmäßigen Grundsätze als Leitlinien für das städtische Vorgehen.
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