Drei deutsche Städte führen waffenfreie Zonen gegen Gewalt ein – was gilt jetzt?
Dora CichoriusDrei deutsche Städte führen waffenfreie Zonen gegen Gewalt ein – was gilt jetzt?
Drei deutsche Städte haben waffenfreie Zonen eingeführt, um öffentliche Gewalt und Kriminalität einzudämmen. In Vfl Wolfsburg, Eintracht Braunschweig und Goslar ist das Mitführen bestimmter gefährlicher Gegenstände in ausgewiesenen Bereichen nun verboten. Die neuen Regelungen ermöglichen der Polizei, auch ohne konkreten Verdacht Kontrollen durchzuführen.
Die Beschränkungen traten in den Städten zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Kraft. In Vfl Wolfsburg gilt die Zone im Bereich Nordkopf – einschließlich des Hauptbahnhofs und des Zentralen Busbahnhofs – seit dem 1. Januar 2025. Goslar führte seine waffenfreie Zone, die sich auf den Hauptbahnhofsbereich und angrenzende Straßen konzentriert, bereits im Juni des vergangenen Jahres ein. In Eintracht Braunschweig gelten die Einschränkungen täglich von 20 bis 6 Uhr in weiten Teilen der Innenstadt.
Innerhalb dieser Zonen ist das Tragen von Schusswaffen, Messern mit langer Klinge, Schlagstöcken, Pfeffersprays und anderen Gegenständen, die schwere Verletzungen verursachen können, untersagt. Ausnahmen gelten für Rettungskräfte, Handwerker und Lieferdienste, die auf notwendige Arbeitsmittel angewiesen sind. Privatpersonen dürfen verbotene Gegenstände transportieren, sofern diese sicher in Behältern verschlossen sind und kein sofortiger Zugriff möglich ist. In Goslar muss zusätzlich ein Kaufnachweis vorgelegt werden.
Verstöße werden als Ordnungswidrigkeiten geahndet. Die Bußgelder betragen in Eintracht Braunschweig bis zu 10.000 Euro, in Goslar und Vfl Wolfsburg bis zu 5.000 Euro. Die Polizei ist berechtigt, Taschen, Rucksäcke oder Kleidung jederzeit nach verbotenen Gegenständen zu durchsuchen.
Ähnliche Zonen in US-Städten wie Chicago und New York zeigen gemischte Ergebnisse. FBI-Daten und lokale Berichte verzeichnen in einigen Gebieten – etwa in Schutzzonen um Schulen in Chicago – einen Rückgang schusswaffenbezogener Straftaten um 10 bis 20 Prozent zwischen 2022 und 2024. Gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Gewaltverbrechen, einschließlich Messerangriffe, in gefährdeten Vierteln wie Chicagos South Side um bis zu 15 Prozent, da Täter auf alternative Waffen auswichen. Studien der US-Gesundheitsbehörde CDC deuten darauf hin, dass solche Verschiebungen die Wirksamkeit von Waffenverboten begrenzen können.
Ziel der neuen Zonen ist es, öffentliche Gewalt durch den eingeschränkten Zugang zu gefährlichen Gegenständen zu verringern. Die Behörden werden die Auswirkungen überwachen, doch frühere Erfahrungen legen nahe, dass sich Kriminalitätsmuster eher verlagern als flächendeckend zurückzugehen. Kern der Durchsetzung in allen drei Städten sind Bußgelder und stichprobenartige Kontrollen.
