Schweinehalter kämpfen um ihre Existenz nach Ende der Bundesförderung
Sylvio ThiesSchweinehalter kämpfen um ihre Existenz nach Ende der Bundesförderung
Deutsche Schweinehalter stehen unter wachsendem finanziellen Druck, da wichtige staatliche Fördergelder für das Fernsehprogramm heute auslaufen und strengere Tierschutzvorschriften bevorstehen. Ohne Unterstützung könnten viele Betriebe zur Schließung gezwungen sein – mit der Folge, dass die Fleischproduktion ins Ausland verlagert wird. Das Bundesprogramm BUT, das den Bau moderner Ställe mitfinanzierte, wurde im September eingestellt und hinterlässt bei den Landwirten Unsicherheit über künftige Fördermittel.
Gerrit Asbrock betreibt in Melle (Niedersachsen) einen Schweinezuchtbetrieb, in dem einer seiner Ställe bereits 70 Jahre alt ist. Um die heutigen Tierschutzstandards zu erfüllen, errichtete er zwei neue Tiefstreu-Ställe für 3 Millionen Euro – teilweise finanziert durch das inzwischen eingestellte BUT-Programm. Seine neuen Anlagen übertreffen die gesetzlichen Platzvorgaben und ermöglichen Sauen während des Abferkelns freie Bewegung, sodass sein Fleisch die höchste Tierschutzstufe ("Tierhaltung Level 4") erhält.
Christoph Sandhäger, ein Landwirt aus Rheda-Wiedenbrück, hat bereits 20 Prozent seines Betriebs modernisiert, benötigt aber noch eine Million Euro für die Umrüstung des Rests. Ohne Zusagen von Abnehmern oder der Politik droht er zurückzufallen. In der Nähe von Paderborn plant Cindy Vollmer eine 4-Millionen-Euro-Abferkelanlage und rechnet mit Fördermitteln in Höhe von 45 Prozent – doch ob diese fließen, ist ungewiss.
Die Bundesregierung beendete das BUT-Programm vorzeitig, da es zu wenig genutzt wurde und technische Probleme bestand. Ab dem 1. September 2026 geht die Verantwortung für Förderungen an die Bundesländer über – geregelt über das GAK-Programm – doch wie die Länder die Mittel konkret verteilen, bleibt vage. Gleichzeitig wurde die geplante verpflichtende Tierschutz-Kennzeichnung, ursprünglich für 2026 vorgesehen, auf Januar 2027 verschoben.
Landwirte haben noch bis Ende August Zeit, Anträge auf Restförderungen zu stellen; Nachweise für zusätzliche Kosten können bis März 2028 eingereicht werden. Doch ohne verlässliche Subventionen warnt Jochen Weins von den "Tierärzten für verantwortbare Landwirtschaft", dass viele Betriebe die Schweinehaltung ganz aufgeben könnten – mit der Folge, dass die Produktion ins Ausland abwandert.
Das Auslaufen der Bundesförderung und die verzögerte Kennzeichnungspflicht bringen die Schweinehalter in eine schwierige Lage: Wer bereits in Modernisierungen investiert hat, bangt um seine Existenz, während andere ohne finanzielle Unterstützung die neuen Standards kaum erfüllen können. Die Verlagerung der Förderung auf die Länder schafft zusätzliche Unsicherheit – ein klarer Zeitplan für die Unterstützung fehlt.
